Beautiful People - Beautiful Problems: Ein Highlight von 2026!
Hauptberuflich ist Suki Waterhouse Schauspielerin. Nebenbei haut die LOVE, ROSIE-Darstellerin 3 Alben heraus, das aktuellste unter ihnen LOVELAND. Waterhouse scheint von Liebe umgeben zu sein, ohne dabei pathetisch zu werden. Die 14 Titel erfüllen unaufdringliche Dream-Pop-Erwartungen der 90er. LOVELAND ist an den schroffen Ecken entgrateter Indie-Rock, der kurz davorsteht, endlich im Radio gespielt zu werden, angereichert mit viel Hall und gewollten Verzerrungen in Waterhouse‘ halbflüsternder Stimme um das Gefühl von Nostalgie gerecht zu werden. LOVELAND kann man mit einer generalüberholten Jukebox vergleichen (oder mit dem 2. Album von Lana Del Rey, dem retrospektiv gesehen fast schon trotzigen ULTRAVIOLENCE, das so anders als all ihre anderen Sadcore-Platten anmutet).
Das Herz steckt im Motor der Jukebox. Einst war der Motor zerbrochen. Nach seiner Reparatur steht ihm eine neue Zukunft bevor, ein zweites Leben, in dem man es mit neuen Singles füttern kann, neuer Liebe (in Form von Musik). LOVELAND ist der Ort der Hoffnungen. Immer schwingt der Gedanke nach vorne zu schauen mit, wodurch LOVELAND keine Melancholie durch den absichtlichen Blick Richtung Vergangenheit, als alles noch in Ordnung war, innewohnt. Waterhouse besinnt sich lieber auf das Positive, die Erfahrungen, welche Stärke gebracht haben. Optimistisch in die Zukunft zu schauen, so schwer es manchmal fällt, ist angesichts dessen, was seit Juli 2026, als LOVELAND veröffentlicht wurde, kein allzu schlechter Gedanke. In Zeiten des stärker aufkommenden Rechtsrucks, der nach unten gerichteten Toleranzschwelle gegenüber Sexualität und Geschlechterfragen sowie bei all der wirtschaftlichen und regierungstechnischen Verwirrungen sollte man sich Momente nehmen, in denen man im Stehen die Augen schließt, die Welt vergisst und zum träumerischen Takt des äußerst ästhetischen Shoegaze-Dream-Pop mitwippt. Anspieltipps dieses überraschenden Album-Highlights 2026: HAPPY WITH IT (da kriegt man wieder Lust auf MAKE ME LIKE YOU von Gwen Stefani) und TEARDROPS.
Sowohl pressungstechnisch als auch audioqualitativ ist die rote Einzel-LP mit zusätzlichem Poster im Klappcover eine absolute Offenbarung. (So nebenbei: Finden Sie nicht auch, dass Suki Waterhouse auf dem stilistischen Schwarz-Weiß-Cover wie Stevie Nicks aussieht?) Entgegen aller Erwartungen wirken die 7 Tracks pro Plattenseite nicht gestaucht und ihrer luftigen Höhen beraubt. Behutsam wirkt die Abmischung, die Verzerrungen sind wie bereits geschrieben Stilmittel und kein Ergebnis von Inner-Groove-Distortion. Der verzerrte Gesang bleibt also immer klar… verstanden?