Wenn Sicherheit nicht mehr reicht
Marie Blum führt eigentlich ein Leben, um das man sie beneiden könnte. Sie hat einen guten Job, eine Tochter, einen scheinbar verlässlichen Ehemann und ein sicheres Zuhause. Trotzdem merkt man schnell, dass ihr etwas fehlt. Ihr Leben ist bequem geworden, aber glücklich macht es sie nicht.
Das tätowierte Herz an ihrem Handgelenk erinnert sie an eine vergangene Liebe und an eine Zeit, in der sie noch ganz anders gelebt hat. Nach und nach wird deutlich, wie sehr sie diese Erinnerungen noch mit sich trägt. Als sie am Zentralfriedhof landet und ihr bisheriges Leben plötzlich mit anderen Augen sieht, beginnt für Marie eine Zeit, in der sie vieles hinterfragen muss.
Laura Roth verbindet Maries Geschichte mit Gefühl und schwarzem Humor. An einigen Stellen musste ich schmunzeln, während mich ihre Situation an anderen Stellen eher nachdenklich gemacht hat. Dieser Wechsel hat mir beim Lesen gut gefallen, weil die Geschichte dadurch trotz der ernsteren Themen leicht zu lesen bleibt.
Marie ist keine Frau, die einfach alles hinter sich lässt und plötzlich ein völlig anderer Mensch ist. Ihre Zweifel, ihre Erinnerungen und auch ihre Angst vor Veränderungen wirkten auf mich nachvollziehbar. Ich konnte gut verstehen, warum sie so lange an ihrem sicheren Leben festgehalten hat, obwohl sie dabei selbst immer unzufriedener wurde.
Interessant fand ich auch die Frage, wie lange man eigentlich nur funktioniert, bevor man merkt, dass man dabei das eigene Leben aus den Augen verloren hat. Die Autorin macht daraus keine schwere Lebensweisheit. Stattdessen steckt sie diese Gedanken in eine unterhaltsame und manchmal etwas schräge Handlung.
Der Schreibstil ist flüssig und lebendig. Viele Szenen konnte ich mir gut vorstellen und ich hatte schnell das Gefühl, Marie ein Stück auf ihrem Weg zu begleiten. Auch der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart hat für mich gut funktioniert. Dadurch wird nach und nach verständlicher, warum Marie heute so lebt, wie sie lebt.
Für mich ist das Buch eine Geschichte über verpasste Chancen, alte Gefühle und den Mut, noch einmal neu anzufangen. Sie hat mich zum Schmunzeln gebracht, mich aber auch an einigen Stellen nachdenklich werden lassen. Vor allem hat sie mir gezeigt, dass ein Leben, das festgefahren wirkt, nicht für immer so bleiben muss.
Eine unterhaltsame Geschichte mit schwarzem Humor, echten Gefühlen und einer Liebe, bei der selbst der Tod nicht das letzte Wort haben muss. Dafür gibt es von mir sehr gern 5 Sterne.