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    SusanK

    Aktiv seit: 01. September 2024
    "Hilfreich"-Bewertungen: 0

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    Wir können nicht sicherstellen, dass die Angaben von Verbrauchern stammen, die das Produkt tatsächlich genutzt oder erworben haben.

    97 Rezensionen

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    Die innere Oma

    Franca Cerutti
    Die innere Oma (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    23.10.2026

    Großartig, befreiend und unendlich warmherzig

    Franca Cerutti schenkt den Leser*Innen mit der „inneren Oma“ ein herrlich erfrischendes psychologisches Konzept. Sie ist das eigene Ich, das schon durch alle Höhen und Tiefen des Lebens gegangen ist – gereift, krisenerprobt und unerschütterlich. Während unser inneres Kind oft in den Wunden der Vergangenheit wühlt, blickt diese Instanz mit der maximalen Gelassenheit eines gelebten Lebens auf unser heutiges Chaos. Das Geniale: Die innere Oma verurteilt uns niemals für unsere Fehler; sie motiviert uns mit einem liebevollen Augenzwinkern und rückt unsere Relationen wieder gerade. Sie flüstert uns nicht zu, dass wir noch schneller rennen müssen, sondern nimmt uns sanft den Druck aus dem Kessel..

    Man liest das Buch und hat sofort die sympathische Stimme von Franca Cerutti im Ohr, genau wie in ihrem Hit-Podcast „Psychologie to go!“. Ihr Schreibstil ist wahnsinnig lebendig, humorvoll und federleicht, obwohl echter psychologischer Tiefgang drinsteckt. Sie schreibt komplett ohne erhobenen Zeigefinger – es fühlt sich eher so an, als würde man sich mit seiner besten, klügsten Freundin bei einem Kaffee tiefgründig austauschen. Die geschaffenen Metaphern werden mich noch lange begleiten.

    Das Buch ist wunderbar logisch aufgebaut und führt in drei klaren Etappen direkt zu mehr innerem Frieden:

    1. Die fachlichen Hintergründe: Keine Sorge, hier wartet keine trockene Theorie! Die Autorin erklärt verhaltenstherapeutisch fundiert, aber super verständlich, wie unsere inneren Anteile entstehen. Sie zeigt Schritt für Schritt, wie wir diese weise, stützende „Oma-Instanz“ in uns selbst aktivieren und als inneren Safe-Space aufbauen können. Das Ganze wird auf Studien aufgebaut.

    2. Die verschiedenen Baustellen mit Beispielen und Alltagstipps: Das ist das absolute Herzstück des Buches; es geht mitten rein ins echte Leben.

    - Lebensnahe Beispiele: Wer kennt sie nicht? Die überladene To-do-Liste, der stressige Perfektionismus oder der Drang, die ganze Welt retten zu wollen. Cerutti greift diese typischen Fallen auf, in denen wir uns täglich verheddern.

    - Praktische Alltagstipps & Soforthilfe: Das Buch liefert geniale Erste-Hilfe-Strategien für unangenehme Situationen. Ob akuter Stress im Job, ein peinlicher Fehltritt oder die Angst, nicht zu genügen – man bekommt handfeste Werkzeuge an die Hand, um sofort emotionalen Abstand zu gewinnen und sich selbst mit Mitgefühl zu begegnen.

    - Die Frage für die eigene innere Oma: Jedes Kapitel endet mit einer genialen Reflexionsfrage, die sofort das Kopfkino stoppt.

    3. Abschließender Teil: Ein wundervolles, inspirierendes Finale!

    Dieses Buch ist Balsam für jede gestresste Seele und eine lautstarke Absage an den modernen Selbstoptimierungswahn. Die praktischen Alltagstipps für unangenehme Situationen sind Gold wert und machen das Buch zu einem echten Überlebenskit für den Alltag. Es macht Mut, es greift an den eigenen Schwachstellen an, es tröstet, es bringt einen zum Lachen und es lässt einen vor allem eines: tief durchatmen. Ein absolut fantastisches Buch, das man am liebsten all seinen Lieblingsmenschen schenken möchte und das garantiert keinen Staub ansetzen wird!
    Hexengöttinnen 1

    Marco Wagner
    Hexengöttinnen 1 (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    23.10.2026

    Ein gelungener High-Fantasy-STart

    Als der unkonventionelle Magier Zaray Karaython in die Düsternis des Bergbezirks Hochwarth strafversetzt wird, erwartet ihn dort bereits die geheimnisvolle Hexe Dyna Xenodyr. Sie war schon vor ihrer ersten Begegnung in ihn verliebt – und muss, den Göttinnen sei Dank, keinen Liebestrank einsetzen, denn auch ohne Magie entbrennt zwischen ihnen sofort eine tiefe Seelenverwandtschaft. Doch die idyllische Bergregion verbirgt ein Grauen: Plötzlich verschwindet ein ganzes Bergmassiv spurlos und Kreaturen brechen aus den Schatten hervor, die längst als Legende galten. Ein dunkelelfischer Schwarzmagier hat nach Jahrhunderten der Gefangenschaft seinen Bann gebrochen. Gegen diese Finsternis ist selbst die gesamte Magiergilde machtlos. Um die Welt vor dem Untergang zu bewahren, müssen Dyna und Zaray alles opfern. Doch dieser Kampf auf Leben und Tod ist erst der Anfang einer epischen Saga, die schon bald die Grenzen der Zeit sprengen und sie bis in ferne Galaxien katapultieren wird.

    Marco Wagners Schreibstil ist atmosphärisch, bildhaft und handwerklich auf hohem Niveau. Seine lebendigen Landschaftsbeschreibungen lassen die Bergwelt vor dem inneren Auge lebendig werden – man spürt förmlich die raue Höhenluft und taucht tief in das Magiesystem ein. Es gibt viele ruhige Momente, aber auch aufgeladene Action.

    Die Geschichte wird abwechselnd aus den Perspektiven von Dyna und Zaray erzählt. Gelegentlich schleicht sich zudem eine dritte, düstere Stimme ein: Kardogul Myr, ein Schwarzmagier der alten Dunkelelfen. Seine Perspektive bringt spürbar mehr Komplexität in die Handlung. Er ist keineswegs ein eindimensionaler Antagonist, sondern hält das Gleichgewicht der Kräfte und gibt völlig neue Denkanstöße, während er Schrecken über Hochwarth bringt. Kann das junge Paar seinen Bezirk und die Bewohner beschützen, wenn selbst die gesamte Gilde an ihre Grenzen gerät?

    Dabei bedient das Buch beliebte Tropes wie „Seelengefährten“, „Liebe auf den ersten Blick“ und „Power Awakening“, was Romantasy-Fans voll auf ihre Kosten kommen lässt – wobei die Romanze ohne zu viel Spice auskommt. Die Dynamik auf den 375 Seiten bleibt durchgehend hoch: Was als magisch-knisterndes Kennenlernen in der Provinz beginnt, entwickelt sich schnell zu einem epischen Kampf ums Überleben. Ein absolut fesselnder Mix aus emotionaler Tiefe und klassischem Spannungsaufbau!

    Die Charaktere beziehungsweise ihr Umgang miteinander und ihrer Umwelt sind das absolute Herzstück der Geschichte. Die Chemie zwischen den Protagonisten stimmt ab der ersten Sekunde – kein Wunder, schließlich begegnen sie sich von Anfang an auf Augenhöhe. Dyna Xenodyr verkörpert das beliebte Trope der starken, unabhängigen Heldin (Strong Female Main Character). Sie ist selbstbewusst, tief in ihrer Hexenmagie verwurzelt und verbirgt zudem eine geheime Herkunft (Hidden Royalty). Sie ist eine ungezähmte Frau, die sich selbst von ihrem mächtigen Onkel, dem Oberrat Théry, nichts vorschreiben lässt. Auf der anderen Seite wirkt sie manchmal noch sehr naiv oder unwissend. Ich könnte mir vorstellen, dass hier die Basis für eine lange Lernreise geschaffen wurde, die ja im Buch schon angeteasert wird. In Zaray Karaython findet sie den idealen Gefährten. Er ist ein kreativer, experimentierfreudiger Magier, der mit seiner humorvollen und leicht unangepassten Art erfrischend aus dem Raster typischer, perfektionistischer Fantasy-Helden fällt. Beide ergänzen sich einfach hervorragend. Schade ist hingegen, dass die Nebenfiguren, wie beispielsweise Dynas Zirkel oder ihr Onkel, sehr oberflächlich und eindimensional bleiben.

    „Hexengöttinnen 1: Dyna & Zaray“ ist ein rundum gelungener Auftakt für alle, die High Fantasy mit einer großen Portion Romantik und klassischen Schicksals-Tropes suchen. Marco Wagner schafft hier eine vielversprechende magische Welt, die durch sympathische Hauptfiguren, kreative Einfälle und eine feine Prise Humor besticht. Ein riesiger Pluspunkt ist, dass die Geschichte trotz des Reihenauftakts in sich geschlossen bleibt und mit einem wohlverdienten Happy End abschließt. Man kann das Buch also wunderbar als Einzelband genießen.
    Obwohl die Geschichte wunderbar rund endet und reichlich Stoff für weitere Abenteuer bietet, bin ich mir noch nicht ganz sicher, ob ich die Reihe weiterverfolgen werde. Die offenen Fragen zur Götterwelt und dem untergegangenen Elfenreich haben jedoch definitiv mein Interesse geweckt. Auch die Aussicht darauf, wie sich die Welt in den Folgebänden dimensional und intergalaktisch weiterentwickeln soll, macht neugierig.


    Ein kleiner Tipp am Rande: Lasst euch auf keinen Fall vom Cover abschrecken! Mich hätte es fast aufgehalten, dieses Buch zu lesen, aber ich bin absolut glücklich, es doch getan zu haben. Für Fans von Hexen-, Magier- und schicksalhaften Liebesgeschichten ein tolles, kurzweiliges Lesevergnügen!
    I Hope This Email Finds You in Hell - Manchmal ist Liebe einfach die Hölle

    Mackenzie Reed
    I Hope This Email Finds You in Hell - Manchmal ist Liebe einfach die Hölle (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    23.10.2026

    Durchgeknallte Dämonenjagd mit viel Herz und Humor

    Brie Benson versucht eigentlich, unter dem Radar zu fliegen und absolut nichts Privates von sich preiszugeben. Doch das ist gar nicht so einfach mit einer tollen Lieblingskollegin, die ihre Schale zumindest etwas knacken konnte, einem verdammt heißen Chef Luke und einer anderen Kollegin, die plötzlich ihren kompletten Charakter verändert hat. Dass Letztere von einem Dämon besessen sein könnte, war so ziemlich das Letzte, womit Brie gerechnet hätte – bis sie ihren Chef Luke dabei erwischt, wie er nach Feierabend einen Exorzismus durchführt! Als dann auch noch Bries Lieblingskollegin spurlos verschwindet, überredet sie ihren Chef, sie auf die Rettungsmission mitzunehmen. Der Haken? Das Ziel ist buchstäblich die Hölle. Und als wäre das nicht genug, droht diese auch noch auf der Erde auszubrechen.

    Der Schreibstil ist herrlich witzig, kurzweilig und die Themen absolut skurril. Wer rechnet schon mit einer Unterwelt, die einem bürokratischen Alptraum der ganz eigenen Art gleicht? Durch gleich mehrere Spannungsstränge – die Rettung der Kollegin auf der einen und die Rettung der gesamten Erde auf der anderen Seite – sowie die wachsenden Gefühle im absoluten Chaos -, wird es definitiv nie langweilig. Einziger Wermutstropfen bei der Spannung: Für mich gab es einige Handlungslücken, und die Action war oft ein bisschen zu praktisch gelöst. Immer wenn es gefährlich wurde, tauchte wie aus dem Nichts eine bequeme Lösung auf. Dadurch hatte ich selten das Gefühl, dass die Charaktere in echter Gefahr schwebten, was den brenzligen Momenten und Wendungen leider etwas den emotionalen Ernst genommen hat.

    Die Charaktere sind das absolute Herzstück der Geschichte. Brie als emotional erschöpfte Rezeptionistin ist eine großartige Protagonistin: Sie ist fürsorglich, schätzt ihre Freundschaften und gibt nicht so leicht auf. Auch, wenn ich nicht jede ihrer Entscheidungen so getroffen hätte, waren sie durchweg nachvollziehbar – und teilweise ist sie wirklich knallhart!

    Ihr Chef Luke macht die Dynamik perfekt, auch wenn er sich oft sehr verdächtig verhält. Er will nie ganz mit der Wahrheit herausrücken, wodurch er sich eigentlich nur umso schneller verrät. Das Geplänkel zwischen den beiden war mein absoluter Lieblingsteil des Buches. Die Funken und der Humor machen einfach unglaublich Spaß. Der Roadtrip selbst und die Romanze waren insgesamt gut und stimmig erzählt.

    Besonders hervorheben möchte ich, wie sensibel das Buch mit dem Thema Trauma umgeht. Jede wichtige Figur trägt ihr eigenes Päckchen, und es wird wunderbar gezeigt, wie unterschiedlich Menschen nach solchen Erfahrungen agieren.

    Ein Highlight für mich ist auch, dass der Titel auch in der Geschichte selbst erklärt wird!

    Generell liebe ich dieses Buch! Es ist eine unglaublich witzige, paranormale Liebesgeschichte, die mich trotz der kleinen Schwächen im Spannungsaufbau fantastisch unterhalten hat. Für mich als Romance-Fan war natürlich auch der „He falls first“-Trope ein absolutes Highlight – es ist einfach herrlich zu sehen, wenn er zuerst Gefühle entwickelt.

    Wer Lust auf eine humorvolle Dämonenjagd, großartiges Charakter-Geplänkel und sehr viel Kreativität hat, wird hier voll auf seine Kosten kommen. Da übersehe ich die allzu bequemen Plot-Lösungen gerne für den reinen Lesespaß!
    Der Gärtner und die Katze - Eine Reise zu den berühmtesten Gedichten der Weltliteratur

    Thomas Schlesser
    Der Gärtner und die Katze - Eine Reise zu den berühmtesten Gedichten der Weltliteratur (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    23.10.2026

    Wenn Worte Wurzeln schlagen: Wie die Poesie eine Seele heilt

    Die Geschichte spielt in einem entlegenen, idyllischen Dörfchen in der Provence. Im Mittelpunkt steht Louis, ein hochsensibler Gärtner, dessen ruhiges Leben durch zwei Schicksalsschläge erschüttert wird: Sein geliebter Kater erkrankt schwer, und ein heftiger Sommersturm verwüstet das Dorf. Inmitten dieser Krise droht Louis psychisch zu verstummen und in eine tiefe Schwermut zu verfallen. Rettung naht in Gestalt seiner neuen Nachbarin Thalie, einer ehemaligen Literaturlehrerin. Sie erkennt Louis' seelische Not und führt ihn behutsam in die Welt der Poesie ein. Durch die Verse von weltberühmten Lyrikern wie Rilke, Baudelaire, Sappho, Rimbaud und Neruda findet Louis langsam einen Weg aus seiner Sprachlosigkeit. Die Gedichte fungieren als emotionaler Kompass und Heilmittel, die ihm helfen, den Verlust zu verarbeiten und einen zarten Neubeginn zu wagen.

    Der Stil ist – passend zum Thema – poetisch, feinfühlig und atmosphärisch dicht. Schlesser fängt die Kulisse der Provence und die emotionale Innenwelt des Protagonisten mit viel Empathie ein. Das Besondere ist die kunstvolle Verwebung von Prosa und Lyrik: Die zitierten Gedichte der Weltliteratur sind keine bloße Zierde, sondern treiben die emotionale Handlung voran und sind organisch in den Text eingebettet.

    Wer einen rasanten Plot oder äußere Knalleffekte sucht, wird hier enttäuscht. Die Spannung ist rein emotionaler Natur. Sie speist sich aus der Frage, ob und wie Louis seine seelische Krise überwindet und welche therapeutische Wirkung das jeweils nächste Gedicht entfaltet. Es ist ein ruhiges, kontemplatives Buch, das entschleunigt.

    Die Auswahl der Gedichte in „Der Gärtner und die Katze“ ist kein zufälliges Best-of der Weltliteratur, sondern folgt einer präzisen emotionalen und dramaturgischen Logik. Sie bildet das therapeutische Fundament des Romans und lässt sich in drei wesentliche Facetten unterteilen:


    1. Die psychologische Passgenauigkeit (Gedichte als Medizin)Thomas Schlesser wählt die Gedichte so aus, dass sie exakt auf Louis’ jeweiligen Seelenzustand reagieren. Die Lyrik fungiert hier als „Bibliotherapie“: Sie verarbeiten Schmerz und CHaos und die bieten Trost und Akzeptanz.


    2. Die Brücke zwischen Natur und MenschDa Louis von Beruf Gärtner ist, ist sein Zugang zur Welt primär sensorisch und naturverbunden. Die Auswahl der Lyrik greift dies meisterhaft auf: Louis versteht die Metaphern der Pflanzen und Jahreszeiten sofort, wodurch ihm der Zugang zur oft als abstrakt empfundenen Weltliteratur erleichtert wird und die Gedichte zeigen ihm, dass die Natur – genau wie sein eigener Garten – die Kraft besitzt, sich nach einem zerstörerischen Sturm selbst zu regenerieren.


    3. Die zeitlose Universalität


    Der Roman spannt durch die Gedichtauswahl einen Bogen über Jahrhunderte und vermittelt dadurch die Botschaft, dass der menschliche Schmerz über Verlust, Einsamkeit und den Wunsch nach Neubeginn universal und zeitlos ist. Louis erkennt durch die Verse, dass Menschen vor über zweitausend Jahren exakt dieselben Krisen durchlebt und durch die Sprache überwunden haben.

    Die Gedichte sind das eigentliche Herzstück des Buches. Schlesser beweist ein tiefes Gespür dafür, wie Worte emotionale Blockaden lösen können, und macht die Auswahl zu einer verständlichen und berührenden Anthologie der menschlichen Seele.

    Louis ist in extrem greifbarer und sympathischer Protagonist. Als hochsensibler Gärtner hat er eine tiefe Verbindung zur Natur. Seine Verletzlichkeit nach dem Verlust und seine anfängliche Unfähigkeit, Schmerz in Worte zu fassen, machen ihn zu einer tiefgründigen Identifikationsfigur. Thalie bildet den perfekten Gegenpol zu Louis. Als ehemalige Lehrerin bringt sie die Energie der Vermittlung mit. Sie drängt sich nicht auf, sondern agiert als empathische Mentorin, die Louis durch die Literatur eine Brücke zurück ins Leben baut.


    Auch, wenn der Kater physisch durch die Krankheit in den Hintergrund rückt, bleibt er (zusammen mit dem Garten) der emotionale Anker des Buchs. Die Natur spiegelt dabei oft Louis' inneren Zustand wider – vom zerstörerischen Sturm bis zum heilenden Aufblühen. Manchmal wirkte dies schon fast surreal auf mich.

    „Der Gärtner und die Katze“ ist ein zutiefst berührender, fast schon therapeutischer Roman, der wie ein „Trostbuch“ für die Seele wirkt. Schlesser gelingt das Kunststück, Lyrik – die oft als sperrig oder elitär gilt – nahbar und tröstlich darzustellen.


    Positiv hervorzuheben ist die gelungene Verknüpfung von Trauerarbeit, Naturverbundenheit und der heilenden Kraft der Sprache. Das Buch regt dazu an, selbst wieder öfter zu einem Gedichtband zu greifen.


    Kritisch anzumerken ist, dass die Handlung stellenweise etwas vorhersehbar verläuft und das Konzept der „Bibliotherapie“ (Heilung durch Lesen) phasenweise sehr plakativ inszeniert wird. Wer eine komplexe, unvorhersehbare Romanhandlung sucht, empfindet die Struktur eventuell als zu formelhaft (Krise → Gedicht → Erkenntnis).

    Mein Fazit: Eine uneingeschränkte Empfehlung für Liebhaber leiser Geschichten, Poesie-Begeisterte und alle, die nach einem Buch suchen, das wie eine literarische Umarmung wirkt.
    Guten Morgen, schönes Wetter heute

    Tanja Kokoska
    Guten Morgen, schönes Wetter heute (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    22.10.2026

    Warmherzig, klug und voller Hoffnung!

    „Am Kastanienbaum“ leben in 100 Häusern 1583 Menschen völlig aneinander vorbei – und das trotz eines gemeinsamen Restaurants und verschiedenster Läden. Oft sind es nur Sekunden, die darüber entscheiden, ob sie sich ein Stück weniger einsam fühlen. Doch die Evakuierung durch eine unvorhergesehene Bombenräumung schafft schließlich das, was räumliche Nähe bislang nicht vermochte: Sie bringt die Menschen einander näher, als es jemals möglich schien und lässt ein echtes Wunder an emotionaler Nähe entstehen!

    Tanja Kokoska schreibt mit einer unglaublichen Leichtigkeit und einer feinen, zutiefst poetischen Note. Es ist meisterhaft, wie sie die melancholische Einsamkeit des Großstadtlebens einfängt, ohne dass die Geschichte auch nur eine Sekunde schwer wirkt. Ihr Stil ist grandios warmherzig, voller spritzigem Humor und sprüht vor Empathie für die kleinen, liebenswerten Macken des Lebens. Der Blickwinkel auf die Figuren ist absolut einzigartig – teilweise faszinierend aus der Vogelperspektive betrachtet und gespickt mit genialen „Was-wäre-wenn“-Momenten. Es gibt kleine und große persönliche Dramen, aber vor allem unheimlich viel Mutmachendes, das Herz und Seele berührt.

    Die Charaktere sind das absolute, pulsierende Herzstück dieses wunderbaren Buches! Die Bewohner der Siedlung sind so liebevoll gezeichnete Originale, die man einfach sofort ins Herz schließen muss:

    Ina und Henry: Ina arbeitet in mehreren Jobs, hat panische Angst vorm Zahnarzt, ein unglaubliches Lachen und zieht ihren Sohn Henry allein groß. Jedes Mal, wenn sie sich verliebt, hofft sie auf das ganz große Glück. Ihr Sohn Henry ist, trotz des fehlenden Vaters, ein unfassbar empathischer, liebevoller junger Erwachsener, der kurz davor steht durchzustarten, und dem seine Mitmenschen aufrichtig am Herzen liegen und der sich dafür sogar in Gefahr begibt.

    Herr Bello: Ein leiser Mensch, der eigentlich nur noch auf den Tod wartet – dann aber seine wahre Leidenschaft entdeckt und völlig über sich hinauswächst!

    Samy: Ein herzensguter Koch aus Sri Lanka, der auf die richtige Spur geschubst wird und Enten so sehr liebt, dass er sie am liebsten nur streicheln und niemals zubereiten würde.

    Frau Arslan: Eine sensible Seele, die Gedichte heimlich in Produkten ihres Lebensmittelgeschäfts versteckt und so für ganz leise, magisch-poetische Momente sorgt. (Ihr Mann kauft auf dem Großmarkt immer einen Fisch, den er dann im Fluss frei lässt.)

    Paco: Ein Baggerfahrer aus Leidenschaft, der durch seinen schicksalhaften Fund einer Weltkriegsbombe die gesamte Geschichte überhaupt erst ins Rollen bringt.

    Opfer und Antagonisten: Beide Kategorien dürfen nicht fehlen in diesem Potpourri des Abbilds unserer Gesellschaft.

    Dieses Buch ist ein absolutes Herzensprojekt und ein echtes Lese-Highlight! Tanja Kokoska zeigt uns auf berührende Weise, dass niemand eine Insel ist. Die Geschichte gleicht einem wunderschönen Mosaik: Jeder Charakter für sich wirkt anfangs wie ein isoliertes, mattes Steinchen, gefangen in seiner eigenen Einsamkeit. Doch erst durch das ungeplante Miteinander, das unfreiwillige Zusammenrücken und den echten Austausch fügen sich die Figuren zu einem großen, farbenfrohen Gesamtbild zusammen. Durch diese unerwartete Gemeinschaft beginnt jeder Einzelne auf ganz eigene Weise zu blühen und über sich hinauszuwachsen. Es ist ein tiefgründiges, warmherziges Wohlfühlbuch, das lange nachklingt, Hoffnung schenkt und dem Leser zeigt, wie viel Magie in menschlicher Verbundenheit steckt. Eine absolute Leseempfehlung!
    The Story Keeper: A Tale of Hearts and Magic

    Rachel Mavie
    The Story Keeper: A Tale of Hearts and Magic (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    22.10.2026

    Liebeserklärung an das geschriebene Wort

    In der magischen Bibliothek des Königreichs Avalora hütet jedes Buch ein unschätzbares Geheimnis – und die Existenz der gesamten Welt hängt von ihnen ab. Als aktuelle Storykeeperin besitzt Lumina Emberlain die seltene Gabe, direkt zwischen die Zeilen zu reisen. Sie schlüpft in die Rollen der Protagonistinnen, um lebenswichtige Zeilenmagie zu sammeln. Doch dieses Privileg fordert einen hohen Preis: Lumina darf den Handlungsstrang niemals verändern, und sich zu verlieben ist unter allen Umständen strengstens verboten. Als jedoch die Magie plötzlich versiegt und Avalora vor dem schleichenden Untergang steht, gerät Luminas geordnete Welt aus den Fugen. Ausgerechnet der mürrische, unnahbare Gatekeeper Reed Tuskwood wird ihr für die Rettung des Reiches an die Seite gestellt. Zwischen handfesten Wortgefechten und gefährlichen Reisen durch magische Buchwelten müssen die beiden nicht nur ein scheinbar unlösbares Rätsel entschlüsseln, sondern auch gegen ein gefährliches Knistern ankämpfen. Denn als sie auf ein dunkles Geheimnis stoßen, das tief in den Mauern der Bibliothek verborgen liegt, steht plötzlich alles auf dem Spiel: Können sie Avalora retten, ohne die verbotenen Gefühle füreinander und sich selbst zu verlieren?

    Der Schreibstil ist ein absoluter Genuss: Er ist unglaublich bildhaft, voller wunderschöner Symbole rund um das Thema „Buch“ und transportiert eine poetische Tiefe, die perfekt zu einer Geschichte über die Liebe zu Büchern passt. Besonders positiv hervorzuheben ist, dass die Welt und das Magiesystem ganz ohne trockenes Infodumping in den Handlungsstrang verwoben wurden. Allerdings sind mir manche Begriffe selbst nach Beendigung des Buches ein Rätsel. Die Kapitelüberschriften sind lyrische Meisterwerke und eignen sich perfekt zum Annotieren.

    Bezüglich des Spannungsbogens zeigt sich das Buch zweigeteilt: Der Einstieg gelingt absolut vielversprechend und zieht einen sofort in den Bann. Das letzte Drittel und das Finale können noch einmal richtig packen und überzeugen mit einer magischen Auflösung. Im Mittelteil flacht die Kurve jedoch leider etwas ab. Die Story dümpelt hier phasenweise vor sich hin, was das Weiterlesen stellenweise erschwert hat, bevor die Geschichte zum Ende hin wieder ihr volles Potenzial entfaltet.

    Mit diesem Werk beweist Rachel Mavie wiederholt ein außergewöhnliches Talent für fantastisches und atmosphärisches Storytelling. Sie erschafft mit viel Herzblut und Fantasie völlig neue, fiktive Buchwelten innerhalb ihrer eigenen Geschichte, die jeweils eine eigene Message transportieren.

    Die Charaktergestaltung hinterlässt bei mir ein eher zwiespältiges Gefühl. Einerseits führt die Autorin viele der Nebenfiguren extrem liebevoll und authentisch ein, lässt sie dann aber im späteren Verlauf der Geschichte leider kaum noch eine Rolle spielen.

    Ein echtes Problem hatte ich jedoch mit der Protagonistin: Lumina war für mich eine überaus anstrengende Persönlichkeit, die bis zum Schluss sehr ich-bezogen wirkte. Statt klug oder reflektiert vorzugehen, handelt sie viel zu oft impulsiv sowie egoistisch und verliert dabei jegliche Konsequenzen aus den Augen. Gewiss ist ihre Situation und die Verantwortung ihrer Position nicht einfach. Dennoch habe ich sie weniger als die bedauernswerte „Nebenfigur“ ihrer eigenen Geschichte wahrgenommen, als vielmehr als eine zutiefst trotzige Figur. Obwohl sie mit so unfassbar viel gesegnet ist, schafft sie es kaum, das Gute darin zu sehen – im Gegenteil verurteilt sie stattdessen alles, was anders ist oder nicht in ihr Weltbild passt.

    Das absolute Gegenteil dazu verkörpert Reed, der für mich zum eigentlichen Helden der Geschichte avancierte. Umgeben von einer zauberhaften Melancholie, agiert er im krassen Gegensatz zu Lumina stets bedacht, uneigennützig und loyal. Er tut schlichtweg alles für sie, was ihn trotz seiner mürrischen Fassade zu einem tiefgründigen, introvertierten und verlässlichen Charakter macht. Während Luminas Art meinen Lesespaß merklich dämpfte, habe ich die Kapitel aus Reeds Perspektive regelrecht verschlungen.

    Der wahre Star der Herzen bleibt für mich jedoch der freche Buchgeist Pip, den man ab der ersten Sekunde einfach lieben muss.

    Es gibt so viele angesprochene Themen, die mal mehr, mal weniger zu Ende geführt werden. Richtig cool fand ich kleine Sidefacts wie beispielsweise die Tatsache, dass auch Männer mit einem Trank verhüten können.

    Alles in allem ist "The Story Keeper" das perfekte Buch-Highlight für den Herbst. Es ist cosy, romantisch und eine tief empfundene Liebeserklärung an das geschriebene Wort. Ich würde ohne zu zögern sofort nach Avalora ziehen. Ich empfehle jedem, sich beim Lesen Zeit zu lassen, um die Atmosphäre vollends zu genießen, und vergebe begeisterte 4 von 5 Sternen, einzig die weibliche Hauptfigur sorgt für den kleinen Abzug.
    Weihnachten im geheimen Buchladen

    Cressida Mclaughlin
    Weihnachten im geheimen Buchladen (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    28.09.2026

    Eine Geschichte über Mut, Vertrauen und das Ankommen

    Sophie ist eine getriebene Seele. Obwohl es für sie gerade eigentlich perfekt läuft – sie hat eine eigene kleine Ladenfläche in Mistingham an der Nordküste Englands und ein tolles Umfeld –, sucht sie insgeheim schon wieder nach Fluchtmöglichkeiten. Doch dann landet eine wunderschöne Ausgabe von„Jane Eyre“ auf ihrer Verkaufstheke, versehen mit einer persönlichen Botschaft aus einem „geheimen Buchladen“. Das Rätsel um den mysteriösen Absender lässt Sophie keine Ruhe und sie beschließt, ihre Fluchtpläne vorerst auf Eis zu legen. Um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, lässt sie sich darauf ein, zusammen mit dem eher zurückgezogenen Harry das große Weihnachtsfest für das Dorf zu organisieren. Keine leichte Aufgabe, denn Harry ist nicht gerade als großer Menschenfreund bekannt und auch die Dorfgemeinschaft wirbelt Sophies Pläne ordentlich durcheinander.

    Die Geschichte wird durchgehend aus der personalen Erzählperspektive in der 3. Person erzählt. Als Leser bleibt man dadurch manchmal ein kleines bisschen „außen vor“ – es heißt eben oft distanzierter „Sophie machte das“ oder „Harry tat jenes“, anstatt dass man direkt in ihre Köpfe eintauchen kann.Dennoch schafft es die Autorin, das Ganze durch einen wunderbar flüssigen und dynamischen Stil auszugleichen. Die Story punktet mit einer perfekten Prise Humor und einem unglaublich bildhaften Setting, das die raue Küstenlandschaft lebendig vor Augen führt und Heißhunger auf die beschriebenen Gerichte macht. Genau so muss eine Weihnachtsgeschichte sein: mit unendlich viel Liebe geschrieben, absolut gemütlich, aber ohne in den Kitsch abzudriften – stattdessen regt das Buch an den richtigen Stellen auch mal zum Nachdenken an.

    Cressida McLaughlin wurde im Südosten Londons umgeben von Büchern geboren. Sie studierte Englisch an der Universität von East Anglia und lebt heute als gefeierte Bestsellerautorin in Norwich. Dass die Autorin selbst eine tiefe Liebe zu Büchern, zur englischen Küste und zu Vierbeinern besitzt, merkt man einfach in jeder einzelnen Zeile ihres Romans. Sie schafft es perfekt, ihre eigenen Leidenschaften in die Geschichte einzuweben.

    Die Charaktere sind unglaublich liebevoll und lebendig ausgearbeitet. Sophie, die in ihrem unsteten Leben schon viel gesehen hat, stellt im Shop-in-Shop-Laden von Fiona mit viel Hingabe wunderschöne, selbstgemachte Notizbücher her. Und bei Harry sieht man wunderbar, das Tratschen nicht viel bringt, sondern die meisten Entscheidungen gute Gründe haben können.

    Überhaupt sind die vielen Dorfbewohner von Mistingham, die wir im Laufe der Story kennenlernen, herrlich schrullig und absolut liebenswert. Eine weitere getriebene Seele im Ort bringt zudem unglaublich viel Weisheit mit in die Geschichte und sorgt für tiefgründige Momente.

    Das wahre Highlight sind für mich jedoch die tierischen Begleiter: das Retriever-Duo „Darkness und Terror“, der kleine Hund Clifton und allen voran Felix, die Ziege! Felix hat wirklich nur Flausen im Kopf, sorgt für jede Menge Abenteuer und bekommt als genialer Bonus am Ende eines jeden Kapitels einen Auftritt in verschiedenen Pullovern.

    Die Zusammenarbeit zwischen Sophie und dem zurückhaltenden Harry hat mir unglaublich gut gefallen. Die beiden nähern sich auf eine so ruhige, natürliche Weise an, dass die Romantik perfekt zum „Cozy-Charakter“ des Buches passt.

    Hier geht es nicht um die großen, übertriebenen Dramen, sondern um Gemeinschaft, Vertrauen und die Frage, was ein Zuhause ausmacht. Es ist eine herzerwärmende Geschichte über die Kraft von Beziehungen und darüber, wie Menschen sich positiv verändern können, wenn sie sich endlich sicher fühlen. Eine klare Leseempfehlung!
    Darmschleimhaut

    Martin Storr
    Darmschleimhaut (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    24.09.2026

    Wissenschaft mit Charme

    Der Gastroenterologe Prof. Dr. Martin Storr beleuchtet die zentralen Prozesse des menschlichen Verdauungstraktes. Am praktischen Beispiel eines Kekses wird aufgezeigt, wie Kauen, Speichel und die dreischichtige Darmbarriere die Gesundheit beeinflussen. Das Buch vermittelt neben Stressbewältigungsstrategien ein Fünf-Punkte-ABC für den Darm, das sich ohne Verzicht umsetzen lässt. Zudem wird erläutert, wie sich die Schutzschleimschicht über die Ernährung aufbauen lässt, wie die Darm-Hirn-Achse funktioniert und inwiefern die Darmschleimhaut mit Hautproblemen, Gelenkschmerzen oder stillen Entzündungen zusammenhängt.

    Ich finde es super, wie mühelos das Buch den Spagat zwischen wissenschaftlicher Fundiertheit und absoluter Leichtigkeit meistert. Der Stil ist herrlich praxisnah, verständlich und sprüht vor Metaphern und Humor. Auch die eingewebten Dialoge mit Patient*innen lockern den Text perfekt auf. Mein einziger, kleiner Kritikpunkt am Schreibstil: Genau wie das behandelte Organ schlägt auch der rote Faden ab und zu ein paar heftige Kurven. Gelegentlich hatte ich beim Lesen das Gefühl, durch ein kleines Labyrinth navigiert zu werden.

    Prof. Dr. Martin Storr ist Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie am Zentrum für Endoskopie in Starnberg. In seine Ratgeber fließen die Erfahrungen und Rückmeldungen aus seiner langjährigen Praxisarbeit mit Betroffenen ein. Er gilt als Experte für ganzheitliche Medizin, Ernährungstherapie und die Anwendung der Positiven Psychologie. Beim Lesen seiner authentischen Patient*innengespräche habe ich mir aufgrund des spürbar empathischen Ansatzes insgeheim gewünscht, selbst genau so einen Arzt an meiner Seite zu haben.

    Ich habe hier ein echtes Augenöffner-Buch gefunden, das mit veralteten Mythen aufräumt, aber auch zeigt, warum die Erforschung mancher Bereiche im menschlichen Körper so lange auf sich warten ließ. Zu lernen, warum das Mikrobiom eben nicht langfristig formbar ist und dass die wahre Superkraft stattdessen in einer starken Schleimschicht liegt, fand ich absolut faszinierend. Die Tools, Checklisten und Rezepte sind für mich ein genialer Bonus für den Alltag und ich werde es definitiv öfter zur Hand nehmen.

    Ein kleines Manko bleibt für mich im Gesamteindruck aber bestehen: Der Ratgeber geht im Grunde von einem weitgehend gesunden Menschen aus. Obwohl der Autor so ein tiefes Fachwissen über handfeste Erkrankungen besitzt, lassen sich die Tipps leider nicht blind auf jede*n Patient*in mit echten chronischen Beschwerden übertragen. Dass ein Buch nicht jedes individuelle Problem lösen kann, ist mir bewusst, aber ein bisschen schade fand ich diesen pauschalen Ansatz dennoch.

    Wer einen spannenden, ganzheitlichen Kompass für seine Gesundheit sucht, wird dieses Buch genau wie ich verschlingen!
    Important Trash: Islands schmutziges Geheimnis

    Halldór Armand
    Important Trash: Islands schmutziges Geheimnis (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    24.09.2026

    Alle Geschichten brauchen ihre Helden

    Im Jahr 2008 steht Island am Rande des wirtschaftlichen Zusammenbruchs: Die Banken wanken, die Börse crasht und die Gesellschaft gerät aus den Fugen. In genau dieses Chaos platziert Halldór Armands Roman seine beiden Protagonisten: den gutmütigen Müllmann Gómur Barðdal und seinen dichtenden Cousin Geir Norrðann. Als Gómur in einem Abfallcontainer eines luxuriösen Herrenhauses in Reykjavik eine abgetrennte menschliche Nase entdeckt, ergreifen sie die Initiative. Da die Polizei mit der Bewältigung der Finanzkrise völlig überlastet ist, machen sich die beiden auf die Suche nach der Besitzerin der Nase – und stolpern dabei unweigerlich in eine Verschwörung, die bis in die höchsten Kreise der isländischen Finanzelite reicht. Bald wird klar: Die Nase ist bei weitem nicht das größte Problem.

    Die Schreibweise des Autors ist flüssig und mitreißend, auch wenn die langen, klangvollen isländischen Namen anfangs eine kleine Hürde darstellen. Abgesehen davon „flog“ ich regelrecht durch die 257 Seiten. Der Titel und das Cover suggerieren einen klassischen Thriller, was mich anfangs etwas irritierte. Es ist für mich ein literarischer Roman mit satirischem Einschlag; der Kriminalfall baut sich sehr langsam auf und wird von vielen anderen Themen unterbrochen. Der Humor ist absolut schwarz, zynisch und großartig pointiert – ich musste an vielen Stellen laut lachen. Besonders beeindruckend ist, wie der Autor völlig unterschiedliche Elemente – von Giraffen und Puzzeln über Verschwörungstheorien bis hin zu Dichtkunst und der Erfindung von Bitcoin – zu einer absolut logischen Geschichte webt.

    Was das Buch besonders interessant macht, ist, wie es verschiedene Stränge offen hält und der Leser*In viel Raum für Interpretation lässt. So wird die Verbindung zwischen der modernen Incel-Szene und der isländischen Klassik aufgeworfen. Auch die „Fette-Jesus-Theorie“ wird als satirischer Spiegel geschrieben, der die Leser*In dazu anregen soll, die Grenzen zwischen Heiligkeit, Kommerz und Gesellschaftskritik selbst zu hinterfragen.

    Es gibt viele Sätze, die so pointiert sind, dass man sie gerne als „Nachdenkkarten“ ausdrucken möchte. Zitate wie die Aussage, dass „nur gelangweilte Menschen Revolutionen anzetteln“ oder dass „Wetter reine Ansichtssache ist“, bleiben lange im Gedächtnis. Die isländische Kultur und Mentalität werden dabei grandios und authentisch rübergebracht – es sind oft die kleinen Details, die die Geschichte perfekt abrunden.

    Ein absolut grandioses, unterhaltsames und intelligentes Buch von einer der schärfsten Stimmen der isländischen Literaturszene. Wer auf der Suche nach einem Thriller ist, wird hier vielleicht enttäuscht, wer aber satirische Gesellschaftskritik mit schwarzem Humor liebt, kommt hier voll auf seine Kosten.
    Updead

    der Tod
    Updead (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    22.09.2026

    Einfach nur großartig

    Eigentlich wollten der Tod und sein Team eine alte Dame abholen - aber auch ihr Nachbar reicht ihnen. Hauptsache, die Statistik stimmt. Doch ein größenwahnsinniger Tech-Milliardär hat andere Pläne: zum ersten Mal im Leben des Todes scheint Unsterblichkeit realistisch, wodurch dieser erst einmal den Abflug macht. Die KI hat aber nicht nur die Optimierung der Menschen im Sinn, sondern der ganzen Welt. Ein Wettlauf gegen bzw. um die Zeit beginnt und die alles entscheidende Frage steht im Raum: kann es einen Anfang ohne ein Ende geben?

    Der Schreibstil ist humorvoll aber die Schreibweise ändert sich regelmäßig: es gibt Prosa, Lyrik, Protokolle und Lieder. Nicht nur einmal habe ich mich beim Lesen gefragt, was beim Schreiben konsumiert wurde, da mir selbst beim Lesen schummerig wurde. Wer kommt denn auf die Idee ein Widerstandsbündnis aus Apokalyptischen Reitern, Friedhofsgärtnern, Gruftis und Aktivisten zu bauen? Immerhin ist durch die Hungersnot für Verpflegung gesorgt.

    Und trotz des oberflächlichen Klamauks geht es um wichtige Themen und große Gefühle. Diesen Spagat so hinzubekommen, ist wahrlich beeindruckend.

    Die Figuren sind skurril, aber nachvollziehbar ausgearbeitet. Selbst Personen, die erst spät auftauchen, ergänzen das Team wunderbar. Ein besonderes Highlight ist in meinen Augen der Mini-Tod. Aber auch die verschiedenen KI ergeben ein absolut rundes Bild. Falls dies ein realistisches Szenario der Zukunft wäre, so hätte ich keine Angst davor.

    Mich reizte es, ein satirisches Buch über den Tod zu lesen, aber so viel Gesellschaftskritik hatte ich nicht erwartet, wurde aber extrem positiv überrascht wie gut dies zusammenpasst. Dieser Roman unterhält nicht nur, sondern regt Zeile für Zeile zum Nachdenken an. Absolut empfehlenswert!
    Der zweite Verdächtige

    Florian Schwiecker
    Der zweite Verdächtige (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    21.09.2026

    Gänsehaut garantiert

    Im 5. Justiz-Krimi von Florian Schwiecker und Michael Tsokos steht Strafverteidiger Rocco Eberhardt vor seinem bisher rätselhaftesten Fall: Sein Mandant Jan Staiger beteuert vehement, unschuldig zu sein. Doch als ein zweites Opfer mit derselben Droge – Liquid Ecstasy – vergiftet wird, lautet die Anklage plötzlich auf Doppelmord.Sämtliche Beweise der Ermittler sprechen eine eindeutige Sprache. Kann Rocco seinem Mandanten überhaupt noch trauen? Gemeinsam mit dem Rechtsmediziner Dr. Justus Jarmer rollt er die Spuren neu auf und stößt dabei im Berliner Justizsystem auf erschreckende Abgründe aus Machtmissbrauch, Vorurteilen und Homophobie. Ein hochaktueller, authentischer Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

    Der Schreibstil ist präzise, geradlinig und wunderbar leicht zu lesen. Die Handlung ist unheimlich rasant erzählt, was vor allem an den kurzen Kapiteln und den wechselnden Perspektiven liegt – darunter auch eine spannende Sichtweise aus der Perspektive eines „großen Unbekannten“. Dank dieser Dynamik fliegen die Seiten nur so dahin, und ich habe ertappt, wie ich abends immer noch ein oder zwei Kapitel mehr lesen wollte, als ich eigentlich geplant hatte.

    Besonders praktisch fand ich, dass jedes Kapitel konsequent mit Datum, Uhrzeit und Ort überschrieben ist, wodurch man nie die Orientierung verliert. Die Mischung aus Hochspannung, Intrigen und cleverer Justizarbeit funktioniert mal wieder auf den Punkt. Zwar verliert sich der Stil an manchen Stellen in kleinen Nebensächlichkeiten wie detaillierten Kleidungsbeschreibungen und wirkt streckenweise etwas distanziert, aber das hat dem enormen Spannungsbogen kaum geschadet. Der Fall hält durch geschickte falsche Fährten bis zum Schluss die Luft an und das Ende? Das hat mir einen echten Schauer über den Rücken gejagt und kam völlig überraschend!

    Es ist ein riesiger Gewinn für das Buch, dass hier zwei absolute Top-Experten am Werk waren. Florian Schwiecker bringt seine langjährige Erfahrung als Strafverteidiger direkt in die Handlung ein und sorgt für authentische Einblicke in das deutsche Rechtssystem. Professor Dr. Michael Tsokos steuert als Deutschlands bekannter Rechtsmediziner das forensische Fachwissen bei. Diese Kombination macht die Geschichte extrem realistisch und einzigartig. Man merkt in jeder Zeile, wie präzise hier gearbeitet wurde – die Abläufe vor Gericht und im Sektionssaal sind super genau und absolut realitätsnah dargestellt, ganz ohne den typischen „Hollywood-Effekt“. Die Autoren wollten hier aber nicht nur erstklassig unterhalten, sondern auch die Grauzonen zwischen Recht und Gerechtigkeit beleuchten, was sie meisterhaft geschafft haben.

    Mir gefallen Krimis, in denen mal nicht die klassischen Kommissarinnen und Kommissare im Fokus stehen, sondern die Ermittlungen von anderen Seiten vorangetrieben werden. Das Trio aus Rocco, Jarmer und Roccos bestem Freund Tobi ist einfach großartig. Es sind keine überzeichneten Charaktere, sondern glaubwürdige Männer mit Zweifeln, Problemen und einem echten Privatleben. Strafverteidiger Rocco Eberhardt ist ein Anwalt mit Haut und Haaren, dessen Hartnäckigkeit mich tief beeindruckt hat – er bohrt so lange, bis er die Wahrheit findet. Der analytische Rechtsmediziner Dr. Justus Jarmer steht ihm mit forensischer Expertise zur Seite; der gegenseitige Respekt der beiden ist toll spürbar. Ein echter Geniestreich ist auch die Figur des Kommissars Berger: Er war mir auf Anhieb unsympathisch, weil er getrieben von persönlichen Motiven überhaupt nicht objektiv agiert, sondern den Mandanten unbedingt hinter Gittern sehen will. Er ist jedoch so stark ausgearbeitet, dass man im Verlauf der Story fast schon Verständnis für seine Beweggründe aufbringt. Auch die restlichen Nebenfiguren wie Zeugen und die Staatsanwaltschaft wirken absolut lebendig.

    Besonders gut hat mir gefallen, dass sensible Themen wie Machtmissbrauch, bias-based Profiling und Vorurteile im Justizsystem so tiefgründig und authentisch in die Story eingebaut wurden. Es regt unheimlich zum Nachdenken an, wenn man sieht, wie leicht die Öffentlichkeit heute beeinflusst und manipuliert werden kann.

    Ein großer Pluspunkt der Reihe ist zudem, dass die Handlung häufig direkt mit einer Festnahme startet und der anschließende Strafprozess im Fokus steht. Das sorgt für eine ganz eigene, packende Dynamik.

    Aus meiner Sicht braucht man keinerlei Vorwissen aus den anderen Bänden; die Geschichte funktioniert wunderbar unabhängig, auch wenn es natürlich schön ist, die Charaktere bereits zu kennen und zu begleiten.

    Mein Fazit fällt durchweg positiv aus: „Der 2. Verdächtige“ ist ein unglaublich packender, intelligenter und realistischer Justiz-Krimi, den man einfach nicht mehr aus der Hand legen möchte. Er verbindet echte Fachexpertise mit gesellschaftlicher Relevanz und einem mitreißenden Plot. Für mich eine absolute Leseempfehlung! Umso schwerer fällt nun der Abschied: Da der fünfte Band laut Verlag das große Finale der „Eberhardt & Jarmer“-Reihe sein wird, blicke ich dem Ende dieses genialen Ermittler-Teams mit einem weinenden und einem lachenden Auge entgegen.
    Die Bluthochzeit

    Wolf Hector
    Die Bluthochzeit (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    21.09.2026

    DIe Schrecken des 30jährigen Krieges am Beispiel Magdeburgs

    Magdeburg im Schicksalsjahr 1630: Während die unerbittliche Belagerung durch die kaiserlichen Truppen droht, spaltet die ideologische Uneinigkeit die protestantische Bürgerschaft in zwei unversöhnliche Lager. Inmitten dieser politischen Ränkespiele flammt die Jugendliebe zwischen der jungen Wirtin und Witwe Teresa Werdenhagen und dem Bildhauer Caspar Ludolf Steinmann, der lange Zeit in Italien gelernt und gearbeitet hat, wieder auf. Doch das Paar gerät unweigerlich zwischen die mörderischen Fronten: Teresas Familie hofft fatalerweise auf das verspätete Eingreifen des schwedischen Königs und seiner Truppen, während Caspars Vater für die Kapitulation vor dem katholischen Feldherrn Tilly plädiert. Als die Stadt durch das Zaudern des Stadtrates unaufhaltsam auf die Katastrophe zusteuert, trifft Caspar eine folgenschwere Entscheidung. Das historische Schicksal nimmt seinen grausamen Lauf – Magdeburg geht in Flammen auf ....

    Als gebürtige Osnabrückerin (in unserer Stadt wurde durch Handschlag der 30jährige Krieg beendet) begleitet und fasziniert mich die Epoche des Dreißigjährigen Krieges bereits mein gesamtes Leben. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen an das neue Werk von Wolf Hector – einem Großmeister seines Fachs, dessen literarisches Geschick mich schon in der Vergangenheit restlos begeistert hat. Mit „Bluthochzeit“ hat der deutsche Autor Thomas Ziebulla unter seinem Pseudonym Wolf Hector wieder einen hervorragend recherchierten Historischen Roman vorgelegt.

    Hector seziert das Trauma von Magdeburg mit einer historisch einwandfreien Präzision und verknüpft die unerbittliche Fakten mit einer berührenden Fiktion. Der Geniestreich beginnt bereits bei der Struktur: Das in drei Bücher unterteilte Gesamtwerk rollt das unaufhaltsame Verhängnis paradoxerweise von dessen Ende her auf und beginnt mit der Zerstörung der Stadt und ihrer Bewohner. Die 60 Kapitel sind mit Ort, Datum und und prägnanter Überschrift versehen. Die auktoriale Erzählperspektive bietet dem Leser einen breiten Einblick in die Geschehnisse: Diese mehrperspektivische Stilform erweist sich daher als erzählerischer Glücksfall, da sie den Leser*Innen erlaubt, das psychologische und politische Brodeln der tief gespaltenen Stadt aus der Sicht aller Akteure kennenzulernen und sich ein eigenes Bild zu verschaffen. Spannend fand ich hier auch die Episoden, die von der Seherin Editha von Lochow (die nachweislich existiert hat) in der Ich-Form erzählt wurden.

    Zugegeben: Das dichte personelle Beziehungsgeflecht forderte mich eingangs heraus. Doch dank des exzellent aufgearbeiteten Personenverzeichnisses, das historische und fiktive Personen kennzeichnet und der Zeittafel am Anfang des Buches sowie des präzisen Glossars am Ende wandelt sich diese anfängliche Komplexität schnell in höchsten Lesegenuss. Man liest sich nicht nur durch das Buch; man taucht tief in die Lebenswelt des 17. Jahrhunderts ein. Dass der Autor in einem Nachwort zeitliche Anpassungen transparent offenlegt, zeugt von seinem Feingefühl den Fakten gegenüber.

    Wirklich besonders empfand ich in diesem Roman die Symbiose aus politischem Ränkespiel und intimer Tragödie; die wiederaufflammende Jugendliebe zwischen Teresa und Caspar bildet hier eine Art emotionalen Anker inmitten des Schreckens. Wolf Hector beweist hier sein Können: Er kann auch Romantik.

    Besonders hervorheben möchte ich die Ausarbeitung der Charaktere. Neben quasi reanimierten historischen Figuren wie dem Feldherrn Tilly oder dem Domprediger Bake sind es vor allem die resilienten, starken Frauenfiguren wie Teresa und Sabina, die eine ungeheure psychologische Nahbarkeit erzeugen, mit denen ich mich leicht identifizieren konnte.

    Hector erinnert uns mit seinem Werk daran, dass Geschichte weit mehr ist als eine spröde Aneinanderreihung von Jahreszahlen und Schlachten – sie ist das Schicksal der Menschn in einer Zeit des absoluten Weltenbrandes. Der konfessionelle Antagonismus zwischen Katholiken und Lutheranern wird hier als das gezeichnet, was er leider war und auch noch ist: Ein zeitloses, destruktives Urfeuer menschlichen Unfriedens.

    Diesen grandios recherchierten, großartig erzählten und emotional erschütternder Roman aus der Zeit des 30jährigen Krieges kann ich unbedingt weiter empfehlen! Wer das schreckliche Brodeln in einer dem Untergang geweihten Stadt nicht nur lesen, sondern spüren möchte, kommt an diesem Werk nicht vorbei. Absolut meisterhaft!

    Giftiger Grund

    Thomas Knüwer
    Giftiger Grund (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    20.09.2026

    Atmosphärische Milieustudie statt klassischer Hochspannung – Ein Kriminalroman der leisen Töne

    Joran, frisch aus der Jugendhaft entlassen und vom Leben schikaniert, sucht nachts am Lost Place einer verlassenen Tankstelle nach seiner alten Raubbeute – und stößt im Kanalschacht stattdessen auf die Leiche seines damaligen Komplizen Aras. Zusammen mit einem schlafwandlerischen Mädchen und einer Lost-Places-Fotografin entfaltet sich hier eine schicksalhafte, schmerzhafte Dreiecksbeziehung inmitten der Trostlosigkeit.
    Eine ehrliche Warnung an alle Adrenalin-Suchenden: Wer hier einen nervenzerfetzenden, rasanten Pageturner erwartet, wird enttäuscht werden. Das Buch wird zwar als Kriminalroman deklariert, bricht jedoch mit fast allen Konventionen des Genres. Es gibt keine klassische Ermittlungsarbeit, keine messerscharfen Polizei-Duelle und vor allem keine treibende, atemlose Spannung. Die Handlung bewegt sich eher träge vorwärts; die Bedrohung bleibt subtil und psychologischer Natur.
    Trotz dieser erzählerischen Entschleunigung besitzt der Roman einen ganz eigenen, intellektuellen Reiz. Knüwer brilliert nicht über den Plot, sondern über seine Figuren und seine Sprache. Sein Erzählstil ist bemerkenswert direkt, ungeschönt und nimmt kein Blatt vor den Mund. Durch die wechselnden Perspektiven, die zu Beginn jedes Kapitels klar deklariert sind, seziert er die Psyche von Randfiguren der Gesellschaft, die man sonst gerne übersieht.
    Gerade dieses zufällige Aufeinandertreffen von unkonventionellen, tief verwundeten Charakteren in der tiefsten deutschen Provinz gibt dem Buch eine soziologische Tiefe. Die Figuren sind vielleicht nicht durchgehend sympathisch, aber psychologisch hochgradig faszinierend. Zudem gelingt es dem Autor, trotz des ruhigen Tempos, ein paar handfeste und unvorhersehbare Wendungen einzubauen, die das narrative Gefüge geschickt aufbrechen.
    Unterm Strich ist „Giftiger Grund“ ein erschütternder Blick in die Abgründe jenseits der bürgerlichen Komfortzone. Es ist kein klassisch spannender Thriller, aber ein atmosphärisch dichtes, gut geschriebenes Drama mit kriminologischem Hintergrund. Wer Freude an tiefgründigen Charakterstudien und einer ungeschminkten Realität hat, wird hier ein durchaus lohnendes, wenn auch ruhiges Leseerlebnis finden.
    Sallys Weihnachtsbäckerei

    Saliha Özcan
    Sallys Weihnachtsbäckerei (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    20.09.2026

    Absolutes Highlight für die Adventszeit – Aber Achtung: Akute Suchtgefahr! ?

    Als treuer Fan von Sally habe ich diesem Moment entgegengefiebert: Endlich gibt es die schönste Zeit des Jahres und Sallys geniale Backideen kombiniert in einem Buch! „Sallys Weihnachtsbäckerei“ hält absolut, was es verspricht, und ist für mich schon jetzt der Star in der Küche. Das Buch ist super hochwertig verarbeitet, die Seiten sind stabil und es fühlt sich einfach toll an. Man kann es perfekt beim Backen offen liegen lassen, ohne dass es direkt knickt oder schmutzig wird – eben typisch Sally, durchdacht von vorne bis hinten.
    Aber ich muss auch eine ganz klare Warnung aussprechen: Dieses Buch ist gefährlich für die Figur und den Zeitplan! Wer hier durchblättert, verfällt sofort in einen Backrausch. Die über 50 Rezepte sehen alle so unfassbar lecker aus, dass man am liebsten alles auf einmal backen möchte. Wer also vor Weihnachten noch Diät halten will, sollte lieber einen großen Bogen um dieses Buch machen – die Verführung ist einfach zu riesig!
    Wenn man dieser süßen Gefahr erst einmal erlegen ist, macht das Nachbacken einfach nur riesigen Spaß. Das liegt vor allem an Sallys gewohnter Geling-Garantie. Die Schritt-für-Schritt-Anleitungen und die praktischen Tipps und Tricks sind so einfach und logisch erklärt, dass wirklich jedes Gebäck klappt – egal, ob man Anfänger ist oder schon länger backt.
    Besonders genial finde ich, dass Sally den Klassikern wie Vanillekipferln oder dem Frankfurter Kränzchen ihren ganz eigenen Stempel aufdrückt. Durch kleine, kreative Abwandlungen schmecken die Rezepte vertraut, haben aber das gewisse Etwas, das optisch und geschmacklich richtig was hermacht. Neben den schnellen Plätzchen für zwischendurch gibt es auch aufwendigere Projekte, die sich grandios als essbare Geschenke für die Liebsten eignen. Mein persönliches Highlight sind übrigens die festlichen Desserts – perfekt für die Feiertage!
    Dank der hilfreichen Tipps zur richtigen Aufbewahrung weiß man auch genau, wie lange die Leckereien frisch bleiben. Für mich als Fan ist dieses Buch ein absolutes Must-have und das perfekte Geschenk für alle, die Sallys Rezepte endlich gesammelt in einer wunderschönen, gedruckten Form im Regal stehen haben wollen. ?✨
    Inter alia

    Suzie Miller
    Inter alia (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    20.09.2026

    Protect Your Daughters - Educate Your Sons

    Jessica Parks führt ein Leben inter alia: Als feministische Richterin, Mutter und Partnerin balanciert sie täglich zwischen Beruf, Familie und eigenen Ansprüchen. Doch seit ihrer Beförderung bröckelt die Fassade ihrer Ehe – und die Ereignisse überschlagen sich, als ihr eigener Sohn unter dem Verdacht steht, eine junge Frau vergewaltigt zu haben.

    Suzie Millers Roman besticht durch eine flüssige, zugängliche Sprache, in der sich Fachbegriffe organisch aus dem Kontext erschließen. Die Handlung ist so mitreißend, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte.

    Wie schon in ihren vorherigen Werken steht auch hier der sexuelle Missbrauch im Mittelpunkt – diesmal als fiktives Dilemma zwischen einer liebenden Mutter und ihrem frisch erwachsenen Sohn. Die Autorin, selbst mit juristischem Hintergrund, webt ihre Berufserfahrung und Menschenkenntnis meisterhaft in die Erzählung ein.

    Doch der Roman geht weit über das Gerichtsdrama hinaus: Er rückt das Leben berufstätiger Frauen in den Fokus. Neben anspruchsvollen Jobs tragen sie oft die emotionale Last anderer – sei es durch unsichtbare Care-Arbeit oder die stille Unterordnung unter traditionelle Rollenbilder. Jessica erlebt dies täglich: Ihr Mann fühlt sich durch ihre Karriere entmannt, hilft zwar im Haushalt, übersieht aber den Großteil der Verantwortung – ein realistisches Abbild vieler Familien. Umso wichtiger wird für Jessica eine Gruppe beruflich erfolgreicher Frauen, in der sie endlich abschalten kann – ein Safe Space, in dem sie nicht die perfekte Mutter, nicht die unfehlbare Richterin sein muss, sondern einfach sie selbst.

    Millers Figuren wirken durchweg authentisch, ihre Reaktionen sind so menschlich wie schmerzhaft nachvollziehbar. Dies gipfelt in der Figur von Jessica: zerrissen zwischen ihrem Gerechtigkeitsanspruch als Richterin und ihrem mütterlichen Instinkt, der ihr sagt, dass ihr Sohn unschuldig sein muss.

    Die Geschichte schockiert und regt zugleich zum Nachdenken an. Besonders eindringlich ist der Kontrast zwischen dem, was Frauen für richtig halten, und der Realität, in der (weiße) Männer oft privilegiert bleiben. Theorie und Praxis klaffen hier weit auseinander – und doch bleibt nur der Versuch, das Richtige zu tun. Der oft zitierte Satz „Erzieht eure Söhne, statt eure Töchter zu schützen“ wird in diesem Roman gnadenlos auf den Prüfstand gestellt und bekommt hier eine neue, bittere Dimension.

    Trotz der fiktiven Handlung stellt der Roman eine unausweichliche moralische Frage: Wie geht eine Mutter, eine Feministin, eine Richterin damit um, wenn sie plötzlich nicht mehr die moralische Instanz für ihren Sohn ist? Welches Herz schlägt lauter – das der Gerechtigkeit oder das der Mutter, die alles für ihr Kind tun würde?

    Millers Roman ist ein feministisches Manifest in Erzählung: Sie entlarvt die Doppelmoral einer Gesellschaft, die Frauen als Hüterinnen der Moral sieht – bis es um die eigenen Söhne geht. Die Autorin, mit langjähriger Gerichtserfahrung, zeigt schonungslos, wie Justiz und Patriarchat ineinandergreifen: Beweislücken, Vorurteile, der Druck auf das Opfer, die automatische Solidarität unter Müttern von Söhnen. Die juristische Präzision der Handlung ist atemberaubend – und die Frage, ob Jessica als Richterin oder als Mutter urteilen wird, wird zum feministischen Dilemma par excellence. Während man selbst noch mit diesen Fragen ringt, liefert das Buch einen perfekten, befriedigenden Abschluss. Millers Antwort ist kein einfaches Urteil – sondern ein literarisches Meisterwerk, das lange nachhallt.
    Die geheime Mission

    Titus Müller
    Die geheime Mission (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    20.09.2026

    Zwischen zwei Weltbildern

    Die Geschichte katapultiert uns mitten in das Berlin der Nachkriegsjahre. Der Krieg ist erst seit Kurzem vorbei, Deutschland befindet sich im kompletten Umbruch und die Stadt ist in verschiedene Besatzungszonen zerrissen. Im Verborgenen entstehen Geheimorganisationen, Spionagenetze werden aufgebaut und Menschen gnadenlos manipuliert. Mittendrin wächst die 18-jährige Nela als Tochter einer überzeugten Kommunistin in der Sowjetischen Zone auf. Ihren Vater hält sie durch die Erzählungen der Mutter für einen Nazi-Kollaborateur – bis sie sich heimlich im Westsektor mit ihm trifft. Sie erfährt die tragische Wahrheit über seine Vergangenheit und die ihrer Familie, was ihr Weltbild völlig ins Wanken bringt. Ihr Vater gesteht ihr, für die CIA zu arbeiten, und macht sie zur Kurierin zwischen Ost und West. Als sie dann in der Redaktion der »Jungen Welt« auch noch den geheimnisvollen Erik kennenlernt, der plötzlich wochenlang spurlos verschwindet, wird das Verwirrspiel perfekt. Wem kann Nela in dieser Welt aus Lügen überhaupt noch trauen?

    Der deutsche Autor Titus Müller, der sich auf historische Romane spezialisiert hat, legt mit "DIe geheime Mission" den Auftakt einer neue Reihe über eine Spionin im Kalten Krieg vor. Titus Müller, geboren 1977, studierte Literatur, Geschichtswissenschaften und Publizistik und für seine Spionageromane wird er sogar von echten Geheimdienstinsidern gefeiert.

    Der Schreibstil ist einfach meisterhaft – flüssig, emotional und absolut mitreißend. Ja, der Text ist stellenweise sehr fachbegrifflastig und setzt ein gewisses Grundwissen voraus, weshalb ich mich beim Lesen sehr konzentrieren musste. Doch diese kleinen Hürden ließen sich durch kurze Recherchen schnell beheben und haben dem Lesespaß keinen Abbruch getan. Ein absolutes Highlight sind die genialen Perspektivwechsel: Ob Piloten, Nela oder ihre Eltern – durch die verschiedenen Sichtweisen entsteht ein großartiger Rundumblick auf das geteilte Berlin. Beide Seiten dürfen ungeschönt zu Wort kommen und fügen sich zu einem perfekten, runden Gesamtbild zusammen, was ich durchaus als außergeöhnlich ansehe, da in Büchern meist nur eine Seite dargestellt wird.

    Ich habe selbst das Ende des Kalten Krieges und den Mauerfall - zwar als junge Erwachsene - bewusst miterlebt, doch wenn ich an meinen Geschichtsunterricht oder den meiner Tochter zurückdenke, ging es dort fast ausschließlich um die Nazizeit. Die Jahre direkt nach dem Krieg, die eigentliche Entstehung der Teilung und die dramatischen Anfänge des Kalten Krieges wurden in der Schule oft nur im Schnelldurchlauf abgehandelt.

    Dass die Recherche hier so genial ist, merkt man dem Roman in wirklich jeder einzelnen Zeile an. Genau durch dieses fundierte Wissen entfaltet das Buch eine ganz besondere Kraft. Was mich an der Geschichte am tiefsten bewegt hat, ist die übergeordnete Intention, die Titus Müller hier transportiert. Es ist weit mehr als nur ein historischer Spionageroman – es ist ein eindringliches Plädoyer für das Hinterfragen von Ideologien und vermeintlichen Wahrheiten. Durch Nelas Augen erleben wir, wie gefährlich es ist, die Welt nur in Schwarz und Weiß, in Gut und Böse aufzuteilen. Der Roman zeigt schonungslos, wie Systeme Menschen manipulieren und wie schnell man zwischen die Fronten gerät, wenn man beginnt, selbstständig zu denken. Die Geschichte will uns vor Augen führen, dass hinter politischen Mauern und Systemen immer menschliche Schicksale stecken. Sie fordert uns dazu auf, Empathie für beide Seiten zu entwickeln und den Mut zu haben, die eigene Komfortzone der vertrauten Meinungen zu verlassen – ein Thema, das aktueller nicht sein könnte.

    Titus Müller hat hier Charaktere geschaffen, die so lebendig und tiefgründig gezeichnet sind, dass man einfach bedingungslos mit ihnen mitfühlen muss. Nela wirkte auf mich zu Beginn zwar noch etwas naiv, entwickelt sich aber im Laufe der packenden Handlung rasant zu einer bewundernswert starken und selbstbewussten Frau. Ihre Eltern, Ingwelde und Gerhard, stehen symblisch für die unversöhnlichen Welten von Ost und West. Beide glauben felsenfest an ihre jeweilige Zukunftsvision: Die Mutter ist tief vom sozialistischen System überzeugt, während der Vater sich im Geheimen mutig dagegen auflehnt. Diese Zerrissenheit der Familie spiegelt perfekt die Zerrissenheit des ganzen Landes wider. Und Erik bringt neben all den politischen Intrigen auch noch eine wunderschöne, feine Note Romantik in die Geschichte, die mein Herz erwärmt hat.

    Für mich war das Buch ein echter Titus Müller, der mich von der ersten bis zur letzten Seite völlig gefesselt und atemlos zurückgelassen hat! Der Autor schildert den Aufbau der Berliner Luftbrücke so unglaublich bildhaft und atmosphärisch, dass ich das Gefühl hatte, die Flugzeuge über mir hören zu können. Es ist faszinierend und packend zu sehen, wie beide Seiten versuchen, die Menschen für ihre jeweilige Ideologie zu gewinnen.

    Ein absolut grandioser, hochspannender und exzellent recherchierter historischer Roman! Er hat mich nicht nur tief berührt und gefesselt, sondern mein geschichtliches Wissen auf eine lebendige Weise erweitert. Ein absolutes Lese-Highlight!
    Das Tarot Café

    Moon Hye Joung
    Das Tarot Café (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    20.09.2026

    Tarot als Reflexionswerkzeug, das heilen lässt

    Seryeon hatte eine sehr unglückliche Kindheit, in der sie ihre Geschwister versorgen musste; nach einigen abgelehnten Texten hat sie, trotz eines Literaturstudiums, ihren Traum, Schriftstellerin zu werden, zur Seite geschoben und schlägt sich mit zahlreichen Nebenjobs durch. In einem kleinen Café in Seoul legt sie Tarotkarten für unterschiedliche Menschen und hilft ihnen mit ihrem Rat. Als ihre Freundin Yunha ihr einen Job vermittelt, in dem sie mit dem Webtoon-Artisten Jinju zusammenarbeitet, beginnt sich ihr Leben nach und nach zu verändern ….

    Da ich noch nie einen Roman aus dem Genre der „Healing Fiction“ gelesen habe, war ich sehr gespannt auf „Das Tarot Café“ der südkoreanischen Autorin Moon Hye Joung, in dem diese das Trend-Thema „Tarot“ aufgreift und ihre Leser*Innen ganz nebenbei in diese Kunst einführt.

    Beeindruckt hat mich hierbei, das die Autorin Tarot nicht als faulen Zauber darstellt und mystische Wahrsagerei, sondern unbewusste die Gedanken sichtbar macht und als inneren Spiegel der Ratsuchenden zeigt. So ist zu lesen, wie Seryeon genau beobachtet, sensibel nachfragt und kluge Gedankenanstöße verteilt. Und bei genau dieser Tätigkeit erkennt sie sich auch immer mehr selbst, lernt daraus und wächst schließlich daran.

    Im Mittelpunkt dieses Romans steht eindeutig die Hauptfigur Seryeon, die sehr einfühlsam mehrdimensional geschildert wird und die sich extrem entwickelt im Laufe der Geschichte. Auch ihr Umfeld, ihr Exfreund Yunju, ihre einzige Freundin Yunha, der Künstler Jinju und die Cafébesitzerin (die im ganzen Buch übrigens namenlos bleibt) ist kompliziert - und die weiteren Figuren spielen nur eine kleine Rolle, wenn sie Sereyons Leben als Tarotleserin berühren.
    Über Südkorea selbst konnte ich leider nichts aus dieser Geschichte erfahren, aber das ist ja auch nicht die Intention des Buches, wäre nur eine nette Ergänzung gewesen.

    Die Autorin schreibt mit leichter Hand in einem gut zu lesenden Erzählstil. Spannung sucht man hier vergebens; Moon Hye Joung erzählt langsam und unaufgeregt mit einem leicht melancholischen Unterton. Trotzdem konnte mich der Roman in seinen Bann ziehen und eine schöne Atmosphäre schaffen.

    Hierzu passt auch die wunderschöne Aufmachung des Buches: Die Kapitelüberschriften sind jeweils mit grafischen Elementen geschmückt, was die Kreativität Sereyons unterstreicht, und jedes Kapitel ist mit der Zeichnung einer Tarotkarte (einschließlich ihres Namens und einer kurzen Beschreibung ihrer Bedeutung) abgeschlossen, die sich inhaltlich auf das zugehörige Kapitel bezieht. So lernen wir 28 Karten aus der kleinen und großen Arkana in ihrer Anwendung kennen.

    Wichtig ist auch anzumerken, dass die vergangene Beziehung zu Sereyons Exfreund Yunju und die sich langsam anbahnende zu dem unkonventionellen Zeichner Jinju authentisch und glaubhaft dargestellt wird, wobei eher auf die Hintergründe eingegangen wird als dass es sich um einen Liebesroman handelt.

    Mir hat dieser Roman sehr gefallen, der die Entwicklungspsychologie seiner Hauptfigur mit einer zwar emotionalen, aber klaren Darstellung des Tarot als strukturiertes Reflexionswerkzeug höchst unterhaltsam und cosy erzählt und auch Lust macht, tiefer in die Materie einzusteigen.
    Die Zeit der Alchemisten

    Kit Chapman
    Die Zeit der Alchemisten (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    17.09.2026

    Die wahren Alchemisten verwandeln Blei nicht in Gold; sie verwandeln die Welt in Worte

    Chemie kann wie Magie wirken, da sie durch Reaktionen neuer Stoffe überraschende Effekte erzeugt, die oft unerklärlich scheinen. Doch Chemie ist keine neue Erfindung und wie viel Magie steckt wirklich in ihr? Welche Irrungen und Wirrungen gab es in der Geschichte der Menschen im Umgang mit magischen Reaktionen und deren Produkten? "Die Zeit der Alchimisten" beschäftigt sich mit den bekannten ältesten Überresten der Alchemie und wie viel mehr diese zu bieten hatte als Aberglaube und Scharlatanerie.

    Handelt es sich hier um ein Chemiebuch, ein Geschichtsbuch, eine Reiseerzählung oder gar etwas komplett anderes? Ich würde behaupten, dass „Die Zeit der Alchimisten“ all das verbindet - und doch viel mehr ist. Die Schreibweise ist humorvoll, überraschend und lehrreich zugleich. Manche Zusammenhänge hätte ich in der Form niemals kommen sehen.

    Der Autor Kit Chapman nimmt uns Lesende mit auf eine Reise durch Zeit und Raum. Dabei reist er an die Schauplätze, an denen viel Alchemie praktiziert wurde und stellt damit rein plastisch schon die Widersprüchlichkeit des Menschen dar, denn heute sehen diese berühmten oder zumindest wichtigen Orte ganz anders aus, als zu ihren alchemistischen Prunkzeiten.

    Kernelement der umfassenden Kapitel sind einzelne Menschen ihrer Zeit – natürlich interpretieren und sehen wir heute die Dinge anders, aber wir leben auch mit vollkommen anderen Hintergründen und Möglichkeiten. Dies macht diese Wissensreise für mich noch viel eindrücklicher, denn es stehen echte Menschen hinter den Vorgängen, die in ihrer Zeit oder Umgebung oft weiter waren und dafür nicht immer, aber immerhin öfter geschätzt wurden und sich perfekt an ihre Lebensumstände angepasst hatten. Ich empfinde zugleich Demut und Ärger gegenüber Geschehnissen, die (oft aus nachvollziehbaren Gründen) geschahen, die aber viel Wissen verloren gingen ließen.

    Interessanterweise zeigt sich, dass Alchemie keine rein männliche Wissenschaft war und viele Frauen einen großen Anteil an ihrer Weiterentwicklung hatten. Sie wurden respektiert und als Gleichberechtigte behandelt.

    Mir fällt es schwer, Highlights aus dem Buch zu nennen, da es in sich ein komplettes Highlight ist. Selten wollte ich so viele Passagen teilen, um sie zu besprechen - oder einfach nur das Wissen zu teilen. Auch, wenn ich den Spruch albern finde, passt er hier: Lauft nicht, rennt zur nächsten Buchhandlung und holt euch dieses Buch! Lest es, verschenkt es und habt einfach Freude daran!
    The Taste of Christmas

    Julia Schuck
    The Taste of Christmas (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    17.09.2026

    Wundervolle Cozy Romance zum Einkuscheln!

    Jonas Keidler ist die Gelassenheit in Person: Nichts bringt ihn aus der Ruhe, und statt alles zu verkopfen, geht er die Dinge lieber locker an. Damit ist er das absolute Gegenteil zu Lauren Wagenthal, der neuen Chefin der familieneigenen Plätzchenmanufaktur – ein Sinbild von Tradition und Beständigkeit. Und doch sprühen zwischen ihnen die Funken – auch wenn ihr erster Beziehungsversuch vor fünf Jahren scheiterte.

    Der Schreibstil ist wunderbar flüssig und zieht einen sofort in die Geschichte. Erzählt wird abwechselnd aus den Perspektiven von Lauren und Jonas. Die geschickt eingewobenen Rückblicke in die Vergangenheit sorgen dafür, dass man die beiden Hauptfiguren mit all ihren Stärken und Schwächen tiefgründig kennenlernt.

    Lauren hat es nicht leicht: Sie leidet unter ihrer zerrütteten Familie und einem Vater, der ihr die geschäftliche Generationsübergabe extrem erschwert. Für sie bedeutete Weihnachten bisher immer nur pure Arbeit. Die einzige Ausnahme war ein Weihnachtsfest vor fünf Jahren – das ihr im Nachhinein jedoch einen ziemlichen Stich versetzt hat.

    Jonas bildet dazu den perfekten Kontrast: Er ist ein absoluter Weihnachts- und Zimtfan mit einer großen, intakten Familie. Während Lauren extrem zielstrebig ist und alles für ihren Traum gibt, ist Jonas ein charmanter Träumer, der seinen ganz eigenen Wünschen folgt. Seine verträumte Art macht es mir nicht leicht, ihn ins Herz zu schließen – aber Lauren beweist hier zum Glück ein größeres Herz als ich ;) Laurens persönliche Weiterentwicklung hat mir jedenfalls unglaublich gut gefallen.

    Die Annäherung der beiden ist, genau wie die gesamte Atmosphäre des Buches, einfach herrlich cozy. Einzig Laurens Vater gibt sich anfangs als echter Grinch. Die Autorin Julia Schuck schafft es meisterhaft, den wahren Geist der Weihnacht einzufangen, und verwebt Themen wie Tradition, Familie, Zusammenhalt, zweite Chancen, Liebe und Freundschaft zu einer berührenden Geschichte. Bei so viel Plätzchenduft und Vorweihnachtszauber hätte ich mir am Ende des Buches glatt noch das eine oder andere Rezept gewünscht!

    Fazit: Ein absolut gemütlicher Roman! Perfekt, um sich mit einer Decke, einer heißen Tasse Tee oder Punsch und ein paar Plätzchen einzukuscheln und sich auf die magische Zeit des Jahres einzustimmen.
    German Glück

    Simon Urban
    German Glück (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    17.09.2026

    Eine Gesellschaftsstudie in sieben Facetten

    !n der mecklenburgischen Provinz thront das „Eden“ – ein Luxusresort, dessen makellose Fassade bereits bröckelt. Nicht nur wirtschaftliche und organisatorische Mängel, sondern auch der schleichende Verfall der Zeit zeugen vom Niedergang. Auch der Mutterkonzern will sich des deutschen Standorts entledigen. Doch hinter den glatten Oberflächen der Gäste und Mitarbeitenden verbergen sich Abgründe, die weit über das Offensichtliche hinausgehen. Hier formiert sich eine Schicksalgemeinschaft am Rande des Kollapses, in der die Selbstzerstörung mitunter als einziger Ausweg erscheint.

    Der Roman entfaltet sich aus den Blickwinkeln von sieben Hauptfiguren: die Hotelmanagerin, ihre Assistentin, ein ukrainischer Flüchtling, der im Hotel angestellt ist, ein Zwillingspaar, das von der mütterlichen Rente lebt, eine Comedienne, ein Tabakmanager, der seine Frau an den Klimaaktivismus verloren hat und ein weiterer Herr. Ihre Schicksale, Motive und Hintergründe werden zu einem Spiegelbild unserer Gesellschaft – oder vielmehr: zu einem verzerrten Abbild, das bei mir Unbehagen auslöst. Wenn die erzählten Straftaten tatsächlich als gesellschaftstypisch gelten sollen, bleibt ein bitterer Nachgeschmack.

    „German Glück“ wird zwar mit beißendem Humor beworben, doch dieser Einschätzung kann ich mich nicht anschließen. Die meisten Schicksale lesen sich eher wie eine Abfolge von Tragödien. Allerdings muss man konstatieren: Der zeitliche Abstand zwischen Veröffentlichung und Handlung macht dem Autoren Simon Urban einen Strich durch die Rechnung, denn die Deutschen sind ja bekannterweise doch nicht so gut in der Rettung eines halbtoten Wals.

    Faszinierend sind die Verflechtungen zwischen den Figuren. Trotz des vorherrschenden älteren Publikums im Hotel sind die Geschichten und Charaktere vielfältig. Immer wieder werden Vergleiche zwischen „damals“ und „heute“ gezogen – sei es in beruflicher Hinsicht, wo Jobchancen früher größer waren und heute durch KI ersetzt werden (aus Sicht des Autors), oder im Bereich des Humors, der damals noch Freiräume hatte, die heute undenkbar wären. Auch die DDR-Vergangenheit der Region und einiger Figuren bleibt nicht unberücksichtigt.

    Der Titel des Buches findet im Roman seine Deutung: Ein ukrainischer Flüchtling stellt fest, dass das Unglück deutsch sei – und die Deutschen daher unglücklich. Eine These, die im Buch immer wieder untermauert wird und die bei mir den Impuls weckt, sie gerade nicht zu übernehmen.

    Trotz aller inhaltlichen Schwere besticht der Schreibstil: prägnant, wortgewandt und von einer Bildhaftigkeit, die Orte und Speisen lebendig vor dem inneren Auge erstehen lässt. Nur beim Long Island Iced Tea bleibt die Frage: Was hat der Barkeeper hier falsch gemacht?

    Ein herausragender Roman mit einer scharfsinnigen Gesellschaftskritik, prägnanten Schreibstil und lebendige Charaktere, der jedoch starke Nerven erfordert. Grundkenntnisse der englischen Sprache sind von Vorteil, da einige Dialoge auf Englisch geführt werden.
    Zweifelssohn

    Max Czollek
    Zweifelssohn (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    17.09.2026

    Der Prophet als Reisender: Eine Kritik der Gegenwart

    Der Protagonist begibt sich auf eine Reise – von Wien durch die Weiten deutscher Städte bis hinauf nach Rügen. Doch es ist keine Flucht zu etwas, sondern eine Flucht vor der Welt. Doch wer ist dieser Reisende? Ein Exzentriker? Ein visionäres Genie? Oder gar ein Prophet unserer Zeit? Fest steht: Er sieht Dinge, die anderen verborgen bleiben – ein Phänomen, das er selbst als „Jeremiasyndrom“ bezeichnet. Vorgestellt wird uns Zweifelssohn, eine Figur, die an den jüdischen Aufklärer Mendelssohn erinnert, doch durchzogen von existenziellen Zweifeln.

    Stilistische Ambiguität als Spiegel der Moderne

    Die Erzählweise ist unkonventionell, fast schon subversiv – sie oszilliert zwischen Fiebertraum und klarer Analyse. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft: Sind es Erinnerungen, Reflexionen oder gar prophetische Visionen? Dazwischen finden sich isolierte Kapitel, in denen Dialoge in staccatoartiger Bulletpoint-Form präsentiert werden. Und doch: Die Sprache ist lebendig, bisweilen von poetischer Schönheit – wie ein Gedankentöpfer, der die Leser*innen in seinen Bann zieht. Besonders gelungen sind die popkulturellen Referenzen sowie die scharfsinnige Gesellschaftskritik, die sich wie ein roter Faden durch das Werk ziehen.

    Einsamkeit als existenzielle Frage

    Zweifelssohn war vor seiner Reise nicht allein – doch ob er es währenddessen ist, bleibt eine offene Frage. Eine rauchende Hannah Arendt, so könnte man spekulieren, würde dieser These widersprechen. Faszinierend ist, wie es dem Autor gelingt, auf einer einzigen Reise eine Fülle von Themen zu verdichten: berührend, wahr, mitunter auch verwirrend. Dieses Buch wird mich noch lange beschäftigen. Es ist ein Spiegelbild unserer Zeit – einer Ära, die von Sorgen, Zweifeln und existenzieller Unruhe geprägt ist.

    Die Frage nach der Rolle des Individuums

    Ob man stiller Zeitzeuge sein möchte, Prophet oder aktiv Gestalter*innen des Geschehens – am Ende sind wir alle gefangen in einem Leben, dem unweigerlich andere vorangegangen sind und dem möglicherweise weitere folgen werden.
    Kurzer Prozess

    Edith Löhle
    Kurzer Prozess (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    17.09.2026

    Moral predigen ist leicht, Moral begründen schwer.

    Rassismus, Sexismus und Bodyshaming waren völlig normal in Film und Fernsehen – doch heute stehen unsere Kindheitshelden vor Gericht und müssen vor dem Internationalen Moralgerichtshof Rechenschaft ablegen für Werte, deren Langzeitfolgen bei uns heute offen zutage treten: Minderwertigkeitskomplexe, toxische Schönheitsideale, verzerrte Liebesbilder. Case closed – aber was ist die Moral der Geschichte?

    Selten habe ich ein Buch aus so vielen verschiedenen Perspektiven gelesen. Dabei gibt es die Haupterzähler*Innen wie Reha als Chefanklägerin oder Lexi, die als Reporterin groß rauskommen will, aber auch Einzelstimmen der Kindheitsikonen. Es gibt Fakten, abstruse Szenen und einiges aus den Verhandlungen – dabei suchte ich beim Lesen manchmal den roten Faden. Bei der Vielzahl der Figuren war es schwer, wirklich Bindung aufzubauen. Selbstverständlich haben diese – wie auch unsere Ikonen – Fehler und Schwächen, doch im Gegensatz zu den Ikonen weiß ich viel zu wenig über sie. Allerdings kann ich sagen, dass Aladin mich sehr positiv überrascht hat.

    Sprachlich gefiel mir der Text sehr gut – besonders kleine Highlights wie Saubermaus-Image rundeten für mich die Geschichte ab.

    „Kurzer Prozess“ - der Name, der Programm für das Buch ist, ist eine Satire und ein wildes Zusammenspiel verschiedenster Figuren, Meinungen und Zielen, die versuchen, Moral zu definieren. Auch aus meinem Alltag kenne ich die angesprochenen Probleme, beispielsweise bei der Frage, ob man die „Feuerzangenbowle“ oder alte Disney-Filme noch schauen darf. Selbstverständlich ist der historische Kontext keine Entschuldigung, für mich, aber durchaus ein Zeugnis dessen, was wir heute (hoffentlich) nicht mehr so sehen. Rehas Vater fasst es ganz gut zusammen: „Man verliert nie, mal gewinnt man und mal lernt man.“

    Insgesamt ein unterhaltsames Buch mit einem extrem wichtigen Thema, allerdings mit kleinen Schwächen. Und eines bleibt: Moral ist nicht einklagbar, sondern etwas, an dem wir alle als Gesellschaft arbeiten müssen.
    Die Zukunft der Männer. Eine Generation zwischen Wut und Utopie

    Tristan Horx
    Die Zukunft der Männer. Eine Generation zwischen Wut und Utopie (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    14.09.2026

    Nun wohl, nun seht, dass ihr euch lieb behaltet

    Vor 12.000 Jahren begann das Patriachat, heute bröckelt es, da Männer schlechtere Schulabschlüsse machen und Frauen ihnen gegenüber den Vorteil der Empathie haben. Und auch im Miteinander der Geschlechter werden Ansprüche laut, die keine Partei scheinbar gewillt ist, zu erfüllen und es scheint, als könnten Frauen ganz gut ohne Männer leben, was diese massiv unter Druck setzt. Dadurch flüchten sich immer mehr Männer in Hass, rechte Ideologien oder Gewalt und werden dadurch unattraktiver, während Frauen immer liberaler werden – ein Teufelskreis!
    Zukunftsforscher Tristan Horx analysiert diese männliche Identitätskrise und das Scheitern alter Rollenbilder. Seine Vision ist die »Mutual Liberation« – eine gemeinsame Befreiung aus digitalen Blasen und Konflikten.

    Die Schreibweise ist sehr leicht verständlich und teilweise dadurch schon etwas grob. Es stellt sich mir die Frage, ob das bewusst einem bestimmten Publikum angepasst sein soll.

    Das Buch unterteilt sich in die Abschnitte Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Hier werden viele wichtige Punkte kurz auf den Punkt gebracht und manch andere ausgespart. Auch bei anderen Aspekten hatte ich manchmal Fragezeichen im Kopf, denn beispielsweise fehlte mir der oft angesprochene Zyklus bei der Rollenverteilung. Im Gegensatz dazu werden auch weitere wichtige gesellschaftliche Themen angesprochen, denn durch die sich perfektionierende KI lernt der Mensch immer weniger Widersprüche auszuhalten und Kompromisse einzugehen, was den ganzen Prozess noch schwieriger macht. Schon das Tierreich zeigt, dass Kooperation das A und O ist. Aber auch andere Themen, wie beispielsweise Daytrading, werden kurz und knapp erklärt.

    Für mich besonders interessant (da von einem Zukunftsforscher geschrieben) empfand ich den Zukunftsteil. Hier werden verschiedene Szenarien vorgestellt und das aus Sicht des Autors beste Szenario wird mit Tipps untermalt, wie dieses zu erreichen ist.

    Erinnert haben mich hier einige Passagen an ein Buch von Alice Schwarzer „Die Antwort“, die eben auch die biologischen Unterschiede von Männern und Frauen darstellt und wie man aus ihnen ein gutes Miteinander schaffen kann – auch sie kommt darin zu dem Schluss, dass dogmatische Tabus aufgelöst werden müssen.

    Insgesamt ein gutes und prägnantes Buch, was aus meiner Sicht an einigen Stellen aber ein bisschen zu eindringlich ist.
    Masterminds, Band 1 - Der Darknet-Köder

    Chris Morton
    Masterminds, Band 1 - Der Darknet-Köder (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    14.09.2026

    Spannender Heist Thriller

    Bei einem Verkehrunfall hat der 17jährige Julius seine Eltern verloren und laboriert immer noch an den schwerwiegenden Folgen. Als er entdeckt, dass sein Onkel und Vormund Randolf nicht nur in dubiose Geschäfte verwickelt ist und Gelder aus der von seinen Eltern gegründeten Firma und der Stiftung veruntreut, sondern Julius sogar umbringen lassen will, um sich an seinem Erbe zu bereichern, beschließt der hochintelligente Justus die Machenschaften seines Onkels aufzudecken. ZUsammen mit seinem Bodyguard Parker und einem Rätselköder im Darknet rekruiert er den Meisterdieb Jay únd die Hackerin Kikki; zusammen mit seiner Cousine, der Comtesse Fifi sind sie die "Masterminds", die für GErechtigkeit sorgen wollen ...

    Der deutsche Autor und Übersetzer Christian Dreller hat bereits einige Action-Thriller veröffentlich und legt nun unter dem Psyeudonym Chris Morton mit "Mastermind - Der Darknet-Köder" den Auftakt zu einer neuen Heist-Thriller-Reihe vor. Dabei ist Gewalt auf ein absolutes Minimum beschränkt, es zählen vielmehr Köpfchen und ausgeklügelte Abläufe.

    Im "Darknet-Köder" erzählt Chris Morton von der Vorbereitung und Durchführung einer spektakulären Aktion; durch unerwartete Wendungen und Pläne, die schief gehen, wird viel Spannung erzeugt. Berichtet wird dabei überwiegend aus Justus' Sicht, aber auch der anderen Masterminds, die die Leser*Innen so nach und nach immer besser kennen lernen. Auch die unterschiedlichen Zeitebenen erhöhen die Spannung; wobei das "Jetzt" und die WEchsel zu vorangegangenen Zeiten in den Überschriften sehr gut gekennzeichnet sind. DIe Aufteilung des Buches in die zwei Teile "WarmUp" und "Endgame" und die kurzen, rasant erzählten Kapitel passen perfekt zum Thema.
    Anmerken möchte ich an dieser Stelle, dass auch die technischen Informationen sehr gut verständlich waren.

    Das Alter der Figuren (zwischen 16 und 23) und die Kernthemen lassen die "Masterminds" in das Genre des "New Adult" einreihen; meiner Meinung nach lässt sich das Buch auch mit Vergnügen von älteren Leser*Innen verschlingen.
    Die Figuren sind mehrdimendional und mit Liebe zum Detail angelegt, durchaus sympathisch und mit kleinen Fehlern behaftet, was sie authentisch wirken lässt. Teilweise kommt sogar etwas Humor ins Spiel.

    Die Themen "Gier", "Pharma-Skandale", das "Hacken" und vor allem "Gerechtigkeit" sind hochaktuell und passen gut zu den dargestellten Figuren und dem Genre.

    Mir hat "Masterminds - Der Darknet-Köder" großes Lesevergnügen bereitet und ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung "Masterminds 2 - Der Insider-Job", der im Februar 2027 erscheinen soll - insbesondere, da es im vorliegenden Band einen kleinen Cliffhanger am Ende gibt.
    Jagdfieber

    Yngra Wieland
    Jagdfieber (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    07.09.2026

    Der Verfall einer Familie

    Ein bekannter Schönheitschirurg stirbt in einem heftigen Autounfall. Eine junge Frau läuft nach der ersten Therapiesitzung bei Salome Liebeskind vor ein Auto, um ihrer kaputten Familie zu entfliehen. Salome beginnt – sehr zum Missfallen der örtlichen Polizei – zu ermitteln und je mehr sie erfährt, desto verworrener werden die Stränge.

    Die deutsche Autorin Yngra Wieland ist selbständige Heilpraktikerin für Psychotherapie und legt mit „Jagdfieber“ nun den zweiten Band um die sympathische Psychologin Salome Liebeskind vor.

    Die Schreibweise ist flüssig und leicht zu lesen – mit Ausnahme der bayrischen Dialoge. Die Fachbegriffe werden meist mehrmals erklärt und sind gut in den Kontext gesetzt. Es wird zwar des öfteren Bezug auf Band 1 genommen, aber Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

    Mir hat der psychologische Fokus auf den Fall sehr gut gefallen; das Gesamtbild ist absolut stimmig und es erfüllte mich mit Freude, die Puzzlestücke schneller zusammengesetzt zu haben als die polizeilichen Ermittler oder Salome selbst. Yngra Wieland schafft es in diesem Kriminalfall, den Verfall von Familien sehr einprägsam zu schildern. Die Autorin ist einfach vom Fach und legt besonderen Wert auf ihre gut gezeichneten Figuren und deren Entwicklungen.

    Besonders mitgefiebert habe ich mit Salome; und daher freut mich das Ende des Buches sehr für sie. Derselbe polizeiliche Ermittler kam bereits schon im ersten Band vor; auch ihn und seine Probleme lernt man in diesem Krimi sehr ausführlich kennen. Etwas utopisch fand ich allerdings die geschilderte Frauenfreundschaft zwischen Tochter und Stiefmutter – aber gemeinsames Trauma verbindet wohl.

    Ein kleiner Wermutstropfen ist leider doch festzustellen: Was mir jedoch gar nicht gefallen hat und auch nicht wirklich genügend ausgearbeitet wurde, war die Nebengeschichte, die zum Selbstmord einer Influencerin führte.

    Ein sehr unterhaltsamer Krimi mit kleinem Abzug, den ich gerne weiterempfehle.
    1 bis 25 von 97 Rezensionen
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