Glückwunsch!
Weil Gedanken eben nicht einfach so frei sind, die Gefühle darunter aber regelrecht anstecken, braucht es Menschen, die den Tauchgang in diese trüben Gewässer nicht nur immer wieder aufs Neue wagen (nicht Neuwagen!), sondern die Gabe haben, den Grund für uns überhaupt erst sichtbar zu machen. Quasi als Einladung, sich da auch hineinzutrauen. Keine elendslangen Problemerörterungen, tiefschürfenden Gewissenserbohrungen oder konstruierten Dilemmata-ta-tas, sondern eine aufrichtige und gemeinsame Suche, wie es wirklich ist und vielleicht sein könnte…
Diese Werkschau analysiere ich jetzt im Nachgang, denn während des Hörens kann ich das bei einer Stimme wie der von Purple Schulz einfach nicht. Welch ein Glück! Und weil er diesen Tiefgang genau so möchte und das auch schon seit über 50 Jahren genau so unvorhersehbar hinbekommt (Huch, ein Harpejji!), ist die jetzige Geburt einfach die natürlichste Sache der Welt. Nur möglich – das liegt in der Natur der Sache – dank vieler wunderbarer Menschen, die Musik ebenso lieben, wie Purple es tut. Für den Familienmenschen und Harmoniewilligen ist das gleich noch ein Grund mehr, zur großen Sause einzuladen. Und was ist das denn bitte für eine liebevolle
Zusammenstellung von Liedern, die dank und mit seiner großen Liebe Eri überhaupt erst wahr werden konnte?! Typisch Hausgeburt!
Alle Kinder sind einfach nur umwerfend und Vergleichereien eh doof, aber unter uns: Jedes ist einzig in seiner Art und kiekt und schreit dazu auch noch ganz eigensinnig. Frechheit! Also muss ich mich jetzt hier für JPC doch entscheiden, denn wir haben ja nicht ewig Zeit...
„Musik Musik Musik“ swingt genau so voller Lebenslust, wie „Snäk Snäk“ schon 1983 (!) gerappt wurde (nicht auf der Werkschau), und Purples Interpretation dieses Klassikers ist einfach bezaubernd.
Ganz in seinem Element!
„Avignon“ hat mich jetzt erstmal umgehauen, wachgeküsst, alles zeitgleich. Fühl’ mich plötzlich genau so sehnsüchtig wie mit 15/16, und das Lied läuft jetzt natürlich gleich in Dauerschleife. Logisch!
„Was ist passiert?“ hab’ ich sehr lange nicht mehr gehört und noch länger vermisst, aber jetzt ist es ja wieder da, dank der Werkschau… Servus!
Wie viel mehr Seele kann man denn noch in seine Stimme legen als in diese Version von „LaLeLu“? Und wie Heinz Rühmann dann für all diejenigen wahr wird, die seine sanfte Stimme noch im Ohr haben und hören, wie er leise dazu mitsingt, und für die, die noch wissen, wie er aussah, sehen, wie er dabei verschmitzt lächelt? Mensch, Purple…
„Das letzte Mal“ kann ich einfach (noch) nicht in Worte fassen. Und niemand anderes als Reinhard Mey hat dies in seiner persönlichen Nachricht an Eri & Purple mit schöneren Worten zum Ausdruck gebracht. Danke!
„Gib mir“ – ein für mich ganz besonderes Lied. Seit meiner Jugend untrennbar mit „Could you believe“ von Al Jarreau verbunden und zwei, die ich beide auch heute noch so dermaßen feiere, weil das Zweifeln, Trösten und Mutmachen dank dieser Stimmen für mich maximal zum Klingen kommen und Musik im tiefsten Kern genau dafür mal erfunden wurde.
Ganz sicher!
„Herz voller Gold“ ist und bleibt für mich eines der schönsten Liebeslieder überhaupt… ohne Worte.
Also, unbedingt jedes Kind mit etwas Zeit und viel Liebe in den Arm nehmen. Tragen lassen sie sich alle und gehen können sie von ganz alleine.
Und wer dies in Lichtgeschwindigkeit erleben möchte, der macht es wie ich und lässt sich von den leuchtenden Augen seiner Konzertnachbarin inspirieren, die gerade im selben Raum in Echt & Wirklich zuhört, schnieft, lacht, mitsingt und dabei einfach ganz bei sich selbst, bei mir, bei dir und eben gerade bei Purple Schulz ist … und mir zuflüstert: „Er sagt, wie es wirklich ist…“.
Hier also der Stand der Dinge: Meine kleine Welt hast Du schon längst verändert.
Danke, Purple!