This was . . . Taste!
Zum tollen Gig beim Festival auf der Isle Of Wight 1970 müsste man im Prinzip keine großen Worte machen - ein längst überfälliges Dokument eines der wichtigsten (wenn nicht sogar DEM wichtigsten) der wenigen gefilmten Performances von Rory Gallagher's Power-Trio, das man sich als Bewunderer des nahezu stets karo-hemdigen Iren unbedingt ins heimische Regal stellen muss. Neben der großen Freude über diese doch sehr verspätete Veröffentlichung drängt sich dem geneigten Musikfreund jedoch die ein oder andere Frage auf.
Zuvorderst: Warum denn erst jetzt? Bei dem gesamten Material handelt es sich schließlich um keinerlei Neu-Entdeckungen, welche irgendwelche namenlosen Helden aus obskuren Papierkörben gefischt und gerettet haben sollen (diese Mär wird uns ja immer wieder gerne aufgetischt - wer glaubt das eigentlich wirklich noch???). Nein, die Aufnahmen von der Isle Of Wight lagen zugänglich im Archiv von Regisseur Murray Lerner. Auch die Boni („Beat-Club“ und die eher unsäglichen Werner-Schretzmeier-Videos aus der SDR-Jugendsendung “P“) kursierten unter beinharten Fans schon lange als Bootlegs. Nicht nur das: Taste spielten bei den Aufzeichnungen für den “Beat-Club“ noch eine interessante zweite komplette Version von “It's Happened Before“ - dass die hier bedauerlicherweise fehlt, ist einfach äußerst schade (gibt es ebenfalls auf Bootleg - siehe auch YouTube). Weiterhin vermisst man die Aufnahmen vom 69er Jazz-Festival im belgischen Bilzen . . . undsoweiterundsofort.
Auf Unbill sollte sich auch einstellen, wer auf Untertitel angewiesen sein sollte - bitte nicht alles für bare Münze nehmen, was einem hier vorgegaukelt wird. Und das liegt in diesem Falle ausnahmsweise mal nicht an den Übersetzern. Ein ganz kurioses Beispiel gefällig? Den “Gambling Blues“ leitet Rory mit folgenden Worten ein: “We'd like to quiet it down a bit and we're gonna do a little bit of bottleneck. We hope you'll like this one“
Was muss man lesen: “ . . . and we're gonna do a little bit of BOTANIC(!!!).“ Da hat's mich echt vom Stuhl gehauen! Ob Rory zeitlebens ein großer Botaniker gewesen ist, entzieht sich nun wirklich meiner Kenntnis, aber dass hier bei der Untertitelung dilettantische Knallchargen am Werk waren, welche von der musikalischen Materie null (in Worten: NULL) Ahnung haben, ist so sicher wie das “Amen“ in der Kirche. Und eine Art Schlusskontrolle scheint es bei Eagle Vision auch nicht zu geben, sonst hätte das doch irgendeiner merken müssen! Auf Deutsch waren die zweifelhaften Fachkräfte mit diesen 2 Sätzen schließlich völlig überfordert: “Wir würden gerne etwas ruhiger werden und deshalb . . . (keine Worte!). Wir hoffen, ER gefällt euch.“ Noch Fragen? Mein Rat: Die Untertitel unbedingt deaktiviert lassen und sich einfach am geilen Bluesrock von Taste ergötzen, denn das ermöglicht uns diese DVD allemal!
Bild und Ton sind übrigens soweit in Ordnung, wie man es auch von anderen IOW-Mitschnitten gewohnt ist. Die “Beat-Club“-Tracks und natürlich die Neu-Aufnahmen für die Doku schneiden besser ab.
Bei aller Klasse der kompletten Band, sticht allerdings auch die Tatsache ins Auge, wie sich Gallagher beim IOW-Gig in Eigenmächtigkeiten erging, welche Bassist Richie McCracken und Drummer John Wilson mitunter auf die Funktionen von bedingungslosen Begleitstatisten reduzierte. Zugegebenermaßen ist das nicht wirklich überraschend, denn nicht zuletzt auch dieser Aspekt lag dem Split der Band zugrunde - die Doku hingegen macht ausschließlich Probleme mit dem Management der Band dafür verantwortlich . . . hmmm.
Das alles mag manche so überhaupt nicht kümmern - für Hardcore-Fans allerdings (und das dürften die meisten Taste-Anhänger nun mal sein) ist derlei durchaus von Interesse. Und offizielle Rezensenten schweigen sich seltsamerweise über sowas gerne eher aus. (Ein Schelm , wer Böses dabei denkt.) Sei es wie es will: Endlich wird der Dampfwalze Taste speziell mit dieser DVD eine einigermaßen angemessene filmische Würdigung zuteil. Und lieber spät als nie - dafür muss man schlichtweg dankbar sein!