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    Gute_Laune

    Aktiv seit: 08. Juli 2026
    "Hilfreich"-Bewertungen: 0

    Bitte beachten Sie

    Wir können nicht sicherstellen, dass die Angaben von Verbrauchern stammen, die das Produkt tatsächlich genutzt oder erworben haben.

    50 Rezensionen

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    Marigold

    Theresa Baumgärtner
    Marigold (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    26.10.2026

    Landleben

    Dieses Buch ist nicht einfach nur ein Kochbuch. Es verbindet eine Lebensart, eine Lebenseinstellung mit Garten und Küche und erdet und entschleunigt damit, wann immer man es zur Hand nimmt und darin blättert. Denn das will es! Nicht einfach nur hin und wieder für ein bestimmtes Rezept aufgeschlagen werden, sondern mit den Texten und Fotos den Leser immer und immer wieder bereichern, glücklich machen, vielleicht auch mal trösten. Die Rezepte sind quasi ein toller Bonus, so wie das Samentütchen zum Selbstbasteln, das beiliegt!

    Theresa Baumgärtner wirkt, wie aus der Zeit gefallen. Sie, ihre Lebensart, ihr Häuschen und der Garten, das ist eine ganz eigene Zauberwelt. Darin hat sie Rezepte gesammelt und entwickelt, die für ganz besondere Gelegenheiten, aber auch den Alltag geeignet sind. Ebenso gibt es hier Pflanzen- und Gartentipps. Wer mag, kann sich sein eigenes Paradies nach dem Vorbild von Hazelnut House. Eine Reise nach England vervollständigt und ergänzt dieses außergewöhnliche Buch.

    Das ganze Buch steckt voller wunderbarer Fotos und natürlich sind auch alle Rezepte bebildert. So verspielt der Rest des Buches ist, so nüchtern und klar strukturiert sind die Rezepte. Außer einem kleinen einführenden Satz, den Zutatenlisten und Arbeitsschritten gibt es hier nichts, auch keine Nährwertangaben. Mir persönlich gefällt das, andere wird es vielleicht etwas stören. Die Rezepte sind am Ende des Buches in ein Register nach Alphabet und eines nach Kategorien aufgeführt.

    Insgesamt ist dies für mich ein Buch für ruhige Stunden, um darin zu blättern, zu versinken, Ideen zu finden und spontan zu denken, ja, das koche oder backe ich morgen! Vier Sterne!
    Six Ways to Watch You Fall

    Colin Hadler
    Six Ways to Watch You Fall (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    25.10.2026

    Richtige oder falsche Entscheidung?

    Archer findet in seinem Spind einen Brief, der ihm zwei Möglichkeiten bietet, einen Mitschüler vor dem Tod zu retten. Beide Möglichkeiten sind unfassbar und Archer hält den Brief für einen dummen Streich. Ein Fehler! Ein Toter wird gefunden. Und Archer erhält einen weiteren Brief. Wieder zwei Möglichkeiten, wieder beide schrecklich, wieder steht am Ende der Tod eines Mitschülers. Archers Panik ist groß und er lässt sich auf die Erpressung ein. Und erhält einen weiteren Brief! Er ahnt, dass der Briefschreiber ein größeres Ziel anpeilt und das ist mit seiner Vergangenheit verbunden.

    Colin Hadler erzählt eine unfassbar grausame Story, deren Ziel relativ schnell klar wird. Es geht um Moral, moralische Dilemmata, jugendliche Grausamkeit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung. Die Hauptfigur Archer ist der Erzähler und dieser gibt nur nach und nach preis, wie er in diese Situation geraten konnte. Seine Versuche, das richtige zu tun, aber auch aus der Situation herauszukommen, sind nachvollziehbar, auch wenn sie oft nicht richtig sind. Seine innere Zerrissenheit kommt gut rüber.

    Auch die anderen Figuren bekommen nach und nach Kontur. Es wird sehr gut dargestellt, dass jeder sein Päckchen zu tragen hat, keiner ohne Fehler ist, das Leben selten fair ist, man aber genau deshalb rücksichtsvoll handeln muss. Aber auch, was richtig ist, wie man Freundschaft beweisen kann, wie man über seinen eigenen Schatten springt. Erstaunlich finde ich hier, dass ich trotzdem niemanden so sympathisch finde, dass ich mich persönlich involviert fühle. Ich lasse Archer in seiner Ich-Erzählweise im Präsens einfach reden und höre ihm zu. Das Ende ist so nicht zu erahnen gewesen und ein echter Show-Down, macht mich aber nicht glücklich.

    Der Wechsel in die Erzählung der Ereignisse in Mexiko bringen nach und nach ein paar Erkenntnisse, die in der Gegenwart dann die Fäden verbinden und Licht ins Geschehen bringen. Philipp Allar macht an sich einen guten Job als Sprecher, aber ich mag nicht, wie er weibliche Parts spricht. Einige Stellen finde ich für Kids ab 13 doch etwas heftig. Die sechs Briefe bringen nebenbei Themen auf, die schwer wiegen und wichtig sind. Meiner Meinung nach wurden sie jedoch nicht mit ausreichend Tiefe ausgearbeitet. Die negativen Charakterzüge der Schüler erscheinen mir doch ein bisschen zu sehr gewichtet. Insgesamt gebe ich dennoch vier Sterne, denn die Grundidee ist spannend und langweilig war die Hörzeit auch nicht.
    KUNTH Endlich Zeit! Europas schönste Wohnmobiltouren für den Ruhestand

    Kunth Verlag
    KUNTH Endlich Zeit! Europas schönste Wohnmobiltouren für den Ruhestand (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    25.10.2026

    Un-Ruhestandsreisen!

    Wenn der Ruhestand endlich da ist und man sich den Traum von grenzenloser Freiheit erlauben kann, zieht es einen oft in die Ferne. Mit dem Wohnmobil hat man quasi überall auf der Welt sein kleines Stückchen Zuhause dabei. Routen planen macht Spaß, aber mit Hilfe dieses Reiseführers entdeckt man Touren, auf die man von selbst vermutlich nie käme.

    Insgesamt liefert Kunth hier zwanzig traumhafte Routen in Europa, unterteilt in die Kapitel Küsten & Kurven; Hoch Hinaus; Genießertouren; Glitzernde Seenwelten. Bevor es losgeht, gibt es eine Übersicht der Zeichen im Buch und, besonders für Neueinsteiger, hilfreiche Tipps und Informationen rund um das Campen mit dem Wohnmobil.

    Zu jeder Route bekommt man alle wichtigen Informationen. Ein liebevoller Text führt in die Route ein, ein QR-Code für den GPS-Track ist zu finden, es gibt eine kleine Grafik zur Route, Routenkarten, viele tolle Bilder, Kurzinfos zu den wichtigsten Stationen der Route und Zwischenstopps und die Angabe des Schwierigkeitsgrades (Einsteiger/Geübte/Proficamper). Da ist schon das Lesen eine kleine Reise und man weiß kaum, mit welcher Tour man starten soll!

    Die Informationen sind sachlich, aber spürbar mit Liebe zum Campen zusammengestellt und lassen dennoch genug Spielraum, um eigene Ideen und Wünsche einbauen zu können. So frei man mit dem Wohnmobil ist, ist man auch mit diesem Buch. Es ist dick und schwer, aber im Camper muss man es ja nicht tragen!

    Kurz und knapp: Ein empfehlenswerter, wunderschöner Routenplaner für unvergessliche Wohnmobilreisen durch Europa. Fünf Sterne!
    Weihnachtsbäckerei

    Oetker Verlag
    Weihnachtsbäckerei (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    22.10.2026

    Backen für die Adventstage

    Wenn mir schon das erste Foto Lust aufs Nachmachen macht, dann hat ein Backbuch fast immer schon gewonnen! Und als ich dann das Bild der Nougatringe gesehen habe, kamen Kindheitserinnerungen hoch und es war um mich geschehen!

    Nach ein paar sehr informativen und hilfreichen theoretischen Informationen und vielen Tipps geht es an die Kapitel Klassische Plätzchen & Lebkuchen; Neue Lieblingsplätzchen; Einfache Last-Minute-Plätzchen; Traditionelle Stollen & Kuchen; Festliche Cupcakes & Torten; Süße Geschenke. Die klassisch und strukturiert aufgebauten Rezepte sind mit einfachen Grafiken von Bändern und Sternen unaufdringlich hübsch weihnachtlich gestaltet. Alle wichtigen Angaben sind vorhanden, nämlich Zubereitungszeit, Kühlzeit, Backzeit, Zutatenliste, zusätzlich benötigte Zutaten und Utensilien, Nährwerte, Schritt-für-Schritt-Anleitung und Tipps, gelegentlich noch Varianten. Icons zeigen an, wenn ein Rezept vegetarisch, vegan, glutenfrei oder mit Alkohol(aroma) ist. Die Arbeitsanweisungen sind gut verständlich formuliert. Sehr gut gefällt mir, dass sowohl die Temperatur für Ober-/Unterhitze, als auch Umluft angegeben wurden. Alle Leckereien sind auf tollen Fotos zu sehen. Mir ist immer super wichtig, ein Bild beim Rezept zu haben, sonst beachte ich die Rezepte tatsächlich kaum. Sehr schön auch die 1 Basis-Rezept – 3 Varianten Rezepte! Am Ende ist das Register zu finden, mit dem man ratzfatz sein Lieblingsrezept unter den satten 120 Rezepten findet.

    Für das meiste Gebäck sind die Zutaten so, dass man sie zumeist schon da hat. Aber einige Leckereien werden mit besonderen Zutaten gemacht, z.B. Teffmehl oder Emmermehl. Diese findet man am besten im Bioladen. Der Schwierigkeitsgrad hält sich meiner Meinung nach in Grenzen. Manche Rezepte erfordern etwas mehr Arbeit als andere, aber es finden sich auch super einfache Rezepte, die dennoch etwas hermachen. So sollten Anfänger und versiertere Hobbybäcker gleichermaßen glücklich mit diesem Backbuch sein. Für die Adventssonntage, für einfach so, für die Feiertage, für die ganze Vorweihnachts- und Weihnachtszeit ist mit diesem Buch der süße Zahn versorgt!

    Dr. Oetker weiß einfach, wie ein Backbuch sein muss, damit es begeistert! Schon meine Mama liebe die Bücher dieses Verlages und ich bin ebenfalls hochzufrieden. Ich gebe von Herzen fünf Sterne!
    Wir lieben Backen

    Stefanie Hertel
    Wir lieben Backen (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    21.10.2026

    Leckere und schöne Backwaren für jeden Geschmack

    Die Patchworkfamilie zeigt fröhlich und humorvoll, was sie gerne backt und nascht. Dass Johanna Mross gelernte Konditorin ist, schadet dabei nicht. Es gibt kleine Geschichten, viel Info und eine Reihe Rezepte, die Lust aufs Ausprobieren machen. Viele Tipps und Tricks der Konditorin helfen dabei auch weniger geübten Hobbybäckern.

    Zunächst gibt es ein etwas längeres Vorwort mit Vorstellung und Fotos der Familie, Legende der Icons und Link zur Website der Familie. Es folgen die Kapitel Klassiker und Lieblingskuchen; Obstkuchen und –törtchen; Kleinigkeiten und Kekse; Blätterteig und Plunder; Traumhafte Torten; Desserts und Mehlspeisen. Man erkennt bei der Verteilung die Lieblingsgebiete der drei sofort. Das Rezeptverzeichnis am Ende des Buches hilft beim Auffinden der gewünschten Rezepte nicht nur über den Namen des Rezeptes, sondern auch über Zutaten. Das mag ich sehr.

    Die Seiten mit den Rezepten sind ansprechend und zur Familie passend gestaltet. Stückzahl, Zutatenliste für die einzelnen Komponenten, benötigte Utensilien, Zeitbedarf, Backzeit, Zubereitungsschritte und ein Tipp oder eine Info finden sich übersichtlich gegliedert bei jedem Rezept. Außerdem lädt jedes Mal ein ansprechendes Foto zum Nachbacken ein.

    Besonders die Smiley-Kekse haben es mir angetan, sodass ich mir spontan eine entsprechende Ausstech-Form gekauft habe. Eine prima Idee und wirklich wahnsinnig lecker ist die Indian-Summer-Torte. Die Zutaten sind ausschließlich klassisch und überall zu bekommen. Selbst die Ersatzprodukte für die veganen Rezepte führt inzwischen jeder Supermarkt. Es wird mit ganz normalem Mehl gebacken. Ausgefallenere Mehle, wie Buchweizen oder ähnlichen Sorten, findet man in diesem Buch erfreulicher Weise nicht. Auch Nährwertangaben sind keine zu finden. Mich stört das nicht. Ich weiß ja, dass Backwaren und Weißmehle nicht gerade schlank machen und man sich nicht ausschließlich davon ernähren sollte. Vielleicht hätte noch ein Schwierigkeitsgrad angegeben werden können, aber man erkennt auch so, was leicht geht und was doch etwas Übung erfordert. Auch Anfänger können sich hier glücklich backen und sich bald an die schwierigeren Rezepte wagen. Fortgeschrittene Hobbybäcker werden sich auch über weniger komplizierte Leckereien freuen und viel Spaß mit dem Buch und den Rezepten haben.

    Es sind sehr viele gute-Laune-Patchwork-Familien-Fotos der Drei im Buch verteilt. Eigentlich mag ich das nicht sonderlich. Aber hier gefallen mir die Rezepte so gut, dass ich da ganz leicht ein Auge zudrücken kann. Für mich tatsächlich ein fünf-Sterne-Buch!
    Verlorener Kurs

    Markus Heitz
    Verlorener Kurs (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    21.10.2026

    Die Fähre

    Der irische Fahnder Ian Murphy wusste lange nicht, dass er eine Tochter hat. Nun wollen sich die 15jährige Stella und er auf einem Roadtrip kennenlernen. Auf der Fähre von Holyhead nach Dublin taucht ein gesuchter Terrorist auf und einige Passagiere verlieren unter mysteriösen Umständen ihr Leben. Plötzlich tauchen riesige Schatten auf, die die Fähre eindeutig verfolgen, auf und die Fähre gerät in einen Sturm. Der Gegner, mit dem Murphy es nun aufnehmen muss, ist bedrohlicher, als alles, was er sich bisher vorstellen konnte.

    Dieser Horrorthriller fordert den Leser ganz schön heraus. Wer aufmerksam das Cover betrachtet, ahnt vielleicht schon, dass es ordentlich trashig und splatterig werden wird. Das muss man mögen, klar, passt insgesamt aber ziemlich gut zur Story.

    Man lernt einige der eintausend Personen auf dem Schiff nach und nach kennen und merkt bald, dass wenige wirklich sympathisch und nett sind. Ian, Stella und Kenzo mochte ich auf Anhieb und ich fühlte mich die ganze Zeit an ihrer Seite. Mitreißen kann die Story, selbst an den absurden oder abstrusen Stellen. Das Einbinden griechischer Mythologie bietet dem Autor viel Spielraum für seine und die Phantasie der Lesenden.

    Die Story entwickelt sich rasch. Die Wendungen sind gut gemacht und sorgen für durchgehende Spannung. Die eine oder andere Sache hätte für meinen Geschmack stärker und besser ausgebaut werden müssen. Einige Dinge hätten mehr Erklärung verdient und auch gebraucht. Schade finde ich, dass das Lektorat seinen Job nur marginal gemacht hat. Es finden sich enorm viele Fehler, die hätten ausgemerzt werden müssen. Sie fallen stark auf und stören den Lesefluss zumindest bei mir enorm.

    Und trotzdem gebe ich vier Sterne, denn ich wurde schon wirklich gut unterhalten. Selbst die Fragen, die für mich im Raum stehen geblieben sind, schmälern den Spaß nicht, den ich insgesamt hatte. Ganz so viel Gewalt hätte es, besonders am Ende, nicht unbedingt gebraucht. Ich kann aber nicht abstreiten, dass bei mir im Kopf echt ein Film ablief. Ich konnte mir die Action-Szenen im Stil der SchleFaZ-Filme problemlos vorstellen. Klingt böse, meine ich aber gar nicht so negativ! Sonst wären es ja auch keine vier Sterne geworden!
    Theo in Golden

    Allen Levi
    Theo in Golden (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    18.10.2026

    Das Geheimnis der Portraits

    Theo ist ein 86jähriger, stattlicher Mann, der eines Tages in Golden auftaucht. Niemand weiß, wer er ist und warum er kam. Er aber hat sich bald entschlossen, in Golden zu leben. Fast sofort ist er Stammgast im Café, in dem 92 Bleistiftportraits hängen. Sie alle zeigen Einwohner von Golden, gezeichnet hat sie ein örtlicher Künstler. Theo ist der Meinung, dass diese Bilder den Personen, die sie darstellen, gehören und so beginnt er, eins nach dem anderen zu kaufen und den Portraitierten zu geben. Was mit jeder Übergabe verbunden ist, sind Geschichten und Freundschaften, veränderte Leben und offenbarte Geheimnisse.

    Ich glaube, Walter Kreye könnte mir tatsächlich Telefonbücher vorlesen und ich würde es lieben! Eine so tolle Stimme, eine so wunderbare Sprachmelodie, perfekte Betonung, ich liebe es! Ja, er ist tatsächlich für diese Geschichte der perfekte Sprecher. Immerhin dauert sie fast siebzehn Stunden!

    Golden ist ein zauberhaftes Städtchen mit wunderbaren Einwohnern. Levi zeichnet mit feinem Pinselstrich einzigartige Charaktere. Nicht alle sind gleich sympathisch, doch gerade das macht alles sehr realistisch. Ich würde sie alle erkennen, wenn es Golden tatsächlich gäbe und ich dort hinreisen würde. Theo ist so besonders, dass er quasi auf jeden, dem er begegnet, abfärbt. Sehr schnell hatte ich den Gedanken, dass Theo das liebenswerte, freundliche und positive Äquivalent zu Stephen Kings Leland Gaunt aus Needful Things oder Linwood Barclays Edwin Nabler aus Komm spielen sein könnte.

    Durch Theos Aktion mit den Bildern lernen wir Außenstehenden eine ganze Reihe Menschen kennen. Sie könnten unterschiedlicher kaum sein. Nicht alle sind sympathisch, doch sehr wichtig für die Geschichte selbst. Alle ihre Lebensgeschichten sind ergreifend. Sie geben einem zu denken und bringen einen dazu, über sich selbst nachzudenken. Allen Levi schafft es aber, nicht einfach nur eine Geschichte nach der anderen herunterzuerzählen, sondern sie auch zu verknüpfen. Walter Kreye erzählt ist für dieses Hörbuch der perfekte Sprecher. Er spricht sonor und langsam, sodass man tatsächlich beim Hören entschleunigt und konzentriert lauscht. Mir gefällt seine Sprachmelodie unsagbar gut.

    Es gibt eine Wendung, die man so nicht möchte und doch ist es, als hätte man es geahnt. Zudem löst sie die Aufklärung einiger Fragen aus und hat ein paar wunderbare Überraschungen auf Lager. So wird die Story rund und stimmig. Und sie geht mir ganz tief ins Herz und unter die Haut. Ein wunderbarer Roman, der den Finger in so einige Wunden legt und die Bandbreite menschlicher Charaktere treffsicher aufzeigt. Für mich ganz klare fünf Sterne!
    Von Herzen selbstgebacken

    Jana Lehmann
    Von Herzen selbstgebacken (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    18.10.2026

    Großartiges Backbuch!

    Backen ist für mich Me-Time und so ziehen mich Backbücher magisch an. Diesmal habe ich wieder eines erwischt, das von einer Influencerin stammt. Ihr Vorwort und die Infos rund ums Backen sind jedoch sehr bodenständig und rund, keine Selbstdarstellung. Das ist schon mal ein erstes gutes Zeichen! Jana Lehmann hat ihr Buch in die Kapitel Kuchen; Torten; Hefegebäck; Kleingebäck unterteilt. Herrlich klassische Bezeichnungen, nicht extra witzig oder aufgepimpt. Nächstes gutes Zeichen! Und der Titel täuscht nicht. Man merkt den Rezepten an, dass Jana Lehmann wirklich mit dem Herzen beim Backen und genießen dabei ist.

    Die Autorin stellt unfassbar hübsche und leckere Backwaren vor. Dabei verkompliziert sie nichts. Im Gegenteil. Wo möglich, wird vereinfacht. So macht sie ihren Biskuit mit ganzen Eiern, also nicht mit Eigelb und Eischnee. Die angegebenen Arbeitszeiten überschreite ich hier wie bei allen anderen Rezepten gern mal locker. Andere Hobbybäcker sind sicher flotter als ich. Von daher ist das bei mir nie ein Kritikpunkt. Bei der Mandarinen-Charlotte ist mir aufgefallen, dass nicht erwähnt wird, die Biskuitschnecken auch als letzte Schicht aufzulegen (für den Boden). Bei manchen Rezepten ist die Dekoration nicht im Text mit dem Bild identisch. Nicht dramatisch, kommt vielleicht jeder von allein drauf.

    Jedes Kapitel startet mit einer wunderbaren Erklärung, wie man die verwendeten Teige am besten hinbekommt. Beim Aufbau der Rezepte nutzt Jana Lehmann den klassischen Weg. Titel des Rezepts, Angaben zu Backzeit, Einstellung des Backofens und Gradzahl, benutzte Kuchenform, Zutatenlisten für die einzelnen Komponenten, gut verständliche und durch die Absätze gut lesbare Arbeitsanweisungen, ggf. einen Tipp oder Hinweis und ein aussagekräftiges Foto. Die Zutaten sind wunderbar alltäglich, überall leicht zu bekommen. Nur die teilweise ungekocht verwendeten TK-Beeren machen mich ein wenig traurig. Inzwischen gab es diverse Rückrufe aus dem Handel und den Rat, diese nur gekocht zu verwenden. Hier muss man sein Gewissen entscheiden lassen. Dagegen freut mich, dass es nicht wenige Rezepte gibt, bei denen Bananen zum Einsatz kommen. Einige Rezepte, besonders natürlich bei den Torten, haben einen etwas höheren Arbeitsaufwand. Doch wird man mit einer Geschmacksexplosion belohnt und mit staunenden Blicken und großem Lob der Gäste!

    Dieses Backbuch überrascht mich rundherum. Die Autorin ist zurückhaltend, ihre Rezepte sind umwerfend und so verlockend! Die Arbeitsanweisungen sind nicht künstlich jugendsprachlich oder witzig, sondern sachlich und gut verständlich. Die Gebäcke machen was her, ohne stundenlang dekoriert werden zu müssen. Sie sind wirklich, wie versprochen, bodenständig und einfach nachzumachen, wodurch auch Neulinge in der Backstube tolle Erfolge erzielen können. Und erst der Geschmack! So mag ich das! Volltreffer! Moppern auf hohem Niveau geht immer. Hier wäre meine Kritik, dass die Autorin Blätterteig aus dem Kühlregal und für ein paar der Torten super viele super teure Pralinen (Rochér, Giotto, Schokobons) verwendet. Das darf aber hin und wieder schon mal sein. Besonders, wenn die Backwaren sooooo lecker sind und gut gelingen. Daher bleibt es dabei: Fünf Sterne!
    Moingiorno!

    Cornelia Poletto
    Moingiorno! (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    16.10.2026

    Dafür bin ich in der Küche nicht ambitioniert genug

    Beim Untertitel Meine kulinarische Reise von Hamburg nach Palermo habe ich doch glatt erwartet, dass ich einen Mix aus beiden Küchen im Buch finde. Leider wurde ich da bitter enttäuscht. Noch dazu sind alle Rezepte zwar sehr gut beschrieben, aber doch eindeutig nicht meine Liga. Hier muss man super ambitioniert und mindestens halber Profi sein. Ja, es finden sich auch ein paar relativ einfache Rezepte und Gerichte, doch die gehören dann in die Kategorie Mag Ich Nicht. Ich bin ein wenig picky beim Essen, lehne eine ganze Reihe Lebensmittel von der Avocado bis zum Schweinefleisch ab und somit bleibt hier für mich wenig übrig.

    Aber ich finde das Buch für alle, die zu Hause ihre eigene Sterneküche haben möchten, absolut ideal. Es erinnert mich ein wenig an die Wandlung der TV-Sendung Das perfekte Dinner. Die war anfangs richtig klasse und inzwischen machen die Hobbyköche den Starköchen schon schwer Konkurrenz. Essen, das ich mir höchstens einmal im Jahr gefallen lasse. Ich mag es inzwischen wieder bodenständiger.

    Zwischen den Rezept-Kapiteln Aperitivi; Antipasti; Primi; Seondi pesce; Secondi carne; Dolci finden sich in Jahresabschnitte gegliederte Geschichten aus Cornelia Polettos Leben, von ihrer Kindheit bis heute in Meine kulinarische Vita. Das gefällt mir sehr gut. Man lernt sie quasi kennen und versteht, wie ihre Liebe zum Kochen und zur italienischen Küche und Lebensart entstanden ist. Außerdem verstecken sich vier Specials zwischen den Kapiteln zu Schaumwein, Parmesan, Spargel und Tomate. Abgeschlossen wird das Buch mit einer Liste aller Rezepte zu den Kapiteln und einem Zutatenregister, über das man schnell das gewünschte Rezept findet.

    Man wird sich kaum wundern, dass nicht nur alltägliche Zutaten verwendet werden und man für einige Rezepte doch recht außergewöhnliche Zutaten auftreiben muss. Das kann in Küstennähe und in Großstädten einfacher sein, aber hier bei uns auf dem platten Land ist das ein echtes Problem. Da hilft auch das Internet nur bedingt. Die Aufmachung der Rezepte ist gut strukturiert und ohne Spielereien gestaltet. Die Zutaten sind nach Komponenten des Rezepts gegliedert. Angaben zu Nährwerten gibt es nicht, aber für die Anzahl Personen, Utensilien, Zubereitungszeit, Koch-/Backzeit. Die Arbeitsschritte sind gut verständlich. Bei vielen Rezepten gibt es noch einen Tipp und alle Rezepte haben großformatige Fotos der wunderschön angerichteten Speisen.

    Das Buch ist absolut schön und edel, nur sind die Rezepte leider für mich eben nicht alltagstauglich und selbst für Festtage nur bedingt umsetzbar. Dennoch kann man hier so einiges für sich herauslesen und lernen. Als Geschenk für angehende Küchenchefs und ambitionierte Hobbyköche ist es umwerfend. Für mich jedoch ist es eben nicht ideal, daher drei Sterne.
    Little Deadly Secrets - Beste Freunde bis zum Tod

    Elena Rieding
    Little Deadly Secrets - Beste Freunde bis zum Tod (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    13.10.2026

    Schwierig

    Jenna ist nach einer Party verschwunden. Bald glaubt niemand mehr, dass sie noch lebend gefunden wird. Ihre ehemals besten Freunde haben alle auch Grund, nicht alles zu sagen, was sie wissen. Dennoch versuchen sie, herauszufinden, was geschehen ist. Dabei erkennen sie nach und nach, dass sie nicht unschuldig an ihrem Verschwinden sind.

    Das klang spannend. Das klang mitreißend. Und dann war es zäh und nervig. Über weite Strecken erfährt man nichts. Gar nichts. Immer wieder einzig Unterhaltungen einzelner der Clique untereinander mit jeder Menge Andeutungen, aber null Information. Das liegt großteils auch daran, dass alles abwechselnd aus der Perspektive von Matt, Connor und Alena erzählt wird und sich von daher schon einiges wiederholt. Dennoch komme ich mir mit meinem Halbwissen dann echt blöd vor und es nervt und es langweilt. Da ist es schwer, weiterzulesen und nicht abzubrechen.

    Sehr störend für meinen Lesefluss sind auch die Namen. Kaum jemand hat einen üblichen, in Deutschland gebräuchlichen Namen. Da bin ich geistig dann in UK oder USA und dann platzt eine ältere Person oder ein Nachname rein und mir fällt wieder ein, ach, spielt doch in Bayern! Das ist unrealistisch und störend. Der zweite Teil zieht an. Und das in jeder Hinsicht. Es kommen verstörende Dinge an den Tag. Da sind die Figuren völlig anders, als im ersten Teil. Sehr realistisch ist das nicht. Und es ist auch ärgerlich. Man hat das Gefühl, ein anderes Buch zu lesen. Zusammenhalt in Freundschaften ist großartig, aber was hier dargestellt wird, ist bitterböse und keinesfalls tolerierbar. Für ein Jugendbuch nicht nur heftig, sondern krass. Alles, wirklich alles Böse wird von den Freunden durch Schweigen toleriert und auch ein Todesfall ändert fast nichts.

    Erster Teil langweilig, zweiter Teil brutal, dritter Teil krass. Der Epilog lässt mich ebenfalls nicht zufrieden zurück, denn der ist mir absolut zu einseitig. Ganz so unfair geht es nicht zu, auch wenn manche Gruppen das gern glauben machen wollen. Insgesamt daher von mir leider gerade mal mit knapper Not drei Sterne, weil ich den Wunsch der Autorin, gewisse Themen ins Bewusstsein zu rücken, hoch anrechne.
    Meine Familienküche

    Maria Serdarusic
    Meine Familienküche (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    12.10.2026

    Ideal für junge Familien mit kleinen Kindern

    Dieses Buch richtet sich in erster Linie an junge Familien mit kleinen Kindern. Die Rezepte sind bunt, farbenfroh, relativ schnell und einfach zuzubereiten und sprechen Groß und Klein an. Sie sind optisch sehr ansprechend, aber gut übersichtlich und bestens verständlich gestaltet. Die Autorin hat durch ihre eigene Tochter starkes Interesse an breifreier Beikost entwickelt und ist über ihren Blog, ihren vorherigen Job als Gesundheits- und Krankenpflegerin, ihre Ausbildung zur Ernährungsberaterin für Säuglinge und Kleinkinder dazu gekommen, sich als breifreie Beikostberaterin zertifizieren zu lassen. Es steckt also wirklich viel Herzblut und Erfahrung in diesem Buch. Somit ist es auch ein tolles Geschenk für werdende Eltern.

    Die ersten Seiten sind ganz für theoretisches Grundwissen reserviert. Die Tipps sind vielleicht keine Neuerfindungen des Rades, aber sehr hilfreich. Ob krankes Kind oder Meal Prep, ob Picky Eating oder Baby-led Weaning, alles wird angesprochen und erklärt. Anschließend folgen die Kapitel Frühstück; Hauptgerichte; Nachtisch; Snacks und unterwegs. In den Unterkapiteln gibt es dann Toast-Tage; Joghurt, juhu!; Pasta: Ein Topf, vier Rezepte; Reste-Fest: Reis; Reste-Fest: Kartoffeln; Build your Bowl; Brotdose, Junchbox, Pausenbrot. Am Ende steht das Register, bei dem man über die Zutaten schnell das gewünschte Rezept findet.

    Bei den Rezepten wird sowohl bei den Zutaten, als auch bei der Gestaltung auf Farbe gesetzt. Das spricht an, besonders Kinder. Unter den Zutaten befinden sich die Zubereitungsschritte. Angaben zu Anzahl der Portionen, Arbeits- und Koch- bzw. Backzeiten findet man auf einen Blick, auf Nährwertangaben wurde jedoch verzichtet. Jedes Rezept hat ein Foto plus einer Reihe Icons, die einfach und verständlich schnelle Infos zum Rezept bieten. Die Legende dazu ist ein wenig versteckt auf Seite 21 zu finden. Die Zutaten sind problemlos erhältlich und nicht als exotisch zu bezeichnen. Allerdings bin ich ein bisschen erstaunt, dass öfter mit Avocados gekocht wird. Ich lehne diese schon allein aufgrund der extrem schlechten Ökobilanz ab, mag sie geschmacklich aber auch so gar nicht.

    Mein Fazit ergibt aber volle Sternezahl, denn insgesamt überzeugt das Buch und ist für junge Familien wirklich eine große Hilfe, zumal selbst Gäste bei den Gerichten gar nicht auf die Idee kommen, dass etwas fehlt. Die Kleinen wachsen mit gesundem, ausgewogenem Essen auf und werden sich dann auch im Erwachsenenalter eher daran orientieren, als an Fertiggerichten und anderen ungesunden Speisen. Fünf Sterne also!
    Best of Pasta Noodles Nudeln

    Steffen Henssler
    Best of Pasta Noodles Nudeln (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    10.10.2026

    Hennslers Pasta-Nummer

    Nudeln gehen immer, Nudeln machen glücklich. Also bin ich immer offen für neue Nudelgerichte. Der Henssler hat ein neues Buch auf den Markt geworfen und bedient genau dieses Gebiet. Seine Kapitel sind Best of Pasta Italien; Best of Noodles Nudeln Asien; Best oft he Rest. Vorwort, Nudel-Know-How und Nudelteig selber machen gibt es auch noch.

    Die Rezept-Kapitel beginnen jeweils mit etwas theoretischem Wissen. Teils interessant, teils völlig unwichtig für mich. Zutatenliste, Zubereitungsschritte, Menge/Personen und Zubereitungszeit sind mit einem Bild des fertigen Gerichts modern gestaltet. Vegetarische Rezepte sind am Icon direkt zu erkennen. Manche Rezepte gehen flott, aber es finden sich auch zeitaufwändigere, die auch schon mal 150 oder gar 240 Minuten brauchen. Zumindest beim Henssler. Bei mir gern auch etwas länger. Bei manchen Rezepten ist ein roter Pfeil, der Steffens Tipp kennzeichnet. Hier finden sich auch mal Hinweise oder Bemerkungen, die nichts mit dem Kochen zu tun haben, z.B. dass ein Rezept zu den meistgeklickten auf seinem YouTube Channel sind. Ist ja jetzt echt nicht so wirklich wichtig für das Kochen.

    Die meisten Zutaten sind Klassiker, aber ich hab auch einige entdeckt, von denen ich bisher noch nie gehört hatte, z.B. Mezze Maniche, Guanciale oder Bonitoflocken. Bei Best of ahnt man es eigentlich schon. Die Gerichte sind keine Überraschung, man kennt sie. Klassiker eigentlich. Entsprechend hat man sie vermutlich schon mal zubereitet. Also hat man hier dann automatisch eine Sammlung von Rezepten, die man schon hat. Nicht besonders schlau eigentlich. 35 italienische Rezepte stehen 15 asiatischen und 7 The Rest gegenüber, wobei letzteres aus USA und Deutschland besteht. Das irritiert mich dann doch stark. Auch andere Länderküchen bieten tolle Nudelrezepte und die vier aus Deutschland würde ich jetzt nicht als Rezept brauchen. Außer Küchenneulingen kennt die wohl jeder. Schade auch, dass die vegetarischen Rezepte eher im italienischen Abschnitt stattfinden, in den restlichen beiden gehen sie stumm ziemlich unter. Am interessantesten und hilfreichsten sind die Teigrezepte. Allerdings ist Nudeln selber machen eine enorme Arbeit und auch bei Menschen, die sehr gern kochen, nicht die Lieblingsarbeit in der Küche.

    Was also halte ich nun von diesem Buch? Es hält ja, was es verspricht. Es hat eine Art Hitliste abgearbeitet und 57 Rezepte präsentiert, die vermutlich tatsächlich die beliebtesten Nudelgerichte abdecken. Irgendwie bin ich trotzdem nicht überzeugt, auch ein wenig enttäuscht. Es erscheint mir, als hätte unbedingt ein neues Henssler-Buch auf den Markt geworfen werden sollen. Wer noch nicht viele Kochbücher hat, wird dieses durchaus mögen. Für mich ist es leider nur Mittelmaß. Drei Sterne.
    Alle an einem Tisch

    Susanne Nett
    Alle an einem Tisch (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    09.10.2026

    Bodenständig, aber nicht langweilig

    Bodenständig, aber nicht langweilig!

    Susanne Nett und ihre Kinder Maja und Jakob sind eine fröhliche Familie, die gern kocht und genießt. Das merkt man dem Buch auch an. Es geht fröhlich und entspannt zu, was sehr sympathisch rüberkommt. Nach einem Vorwort von Johann Lafer, das ich persönlich jetzt auch nicht so gebraucht hätte und eher befremdlich finde, folgen die Kapitel Für Tage, die nach Sommer schmecken; Majas Seelenwärmer; Jakobs Aromawerkstatt; Zugreifen und Wegnaschen; Für Gäste und Feste.

    Aufgemacht sind die Rezepte wunderbar übersichtlich. Es ist immer ein tolles Foto dabei, es gibt Angaben zu Portionsanzahl, dem Schwierigkeitsgrad und der geschätzten Zubereitungszeit, die Zutatenliste, die Zubereitungsschritte sauber gelistet, einen Tipp und, was ich sehr hübsch und nützlich finde, häufig einem Feld für eigene Notizen. Ich liebe es, in Rezepte meine eigenen Anmerkungen zu schreiben! Hier ist jedoch oft so viel Platz noch zusätzlich frei, dass ich es vermutlich anders gestaltet hätte. Trotzdem, es ist super! Was nicht zu finden ist, sind die Nährwertangaben. Ich persönlich kann darauf auch gut verzichten. Zwischendurch sind kleine Texte eingestreut, die das Wissen rund um Lebensmittel und das Kochen erweitern.

    Die Zutaten sind erfreulicher Weise sehr normal, nicht exotisch, sehr gut zu bekommen im ganz normalen Supermarkt. Einige Rezepte sind Klassiker und damit in vielen Kochbüchern zu finden, dennoch haben sie in diesem Buch ihren berechtigten Platz, da sie eben sehr gut dazu geeignet sind, gemeinsam zu kochen und zu essen. Auch wenn hin und wieder Zutaten auftauchen, die ich so gar nicht essen mag, finde ich wunderbar viele Rezepte, die mich ansprechen und für mich und meine Gäste perfekt geeignet sind. Mir gefällt außerdem, dass bei einigen Rezepten Hinweise stehen, wozu das Gericht besonders gut passt bzw. was dazu passt und auf welcher Seite das zu finden ist. Obwohl es ein paar Fotos der Drei gibt, ist das nicht selbstdarstellerisch, sondern unterstreicht sehr schön, welche Freude sie haben und weitergeben möchten. Die kleinen Vorstellungs-Texte der drei lassen sie zu guten Bekannten werden, bei denen man gern zum Essen zusammenkommt.

    Das Buch ist für alle geeignet, die gern kochen. Auch Anfänger können damit bestens arbeiten. So sympathisch mir Familie Nett ist, ihre persönlichen Geschichten interessieren mich wenig bis gar nicht. Auch Herrn Lafers Worte zum Buch und den Netts nehmen mehr Platz weg, als dass sie wichtig wären. Bei den kurzen Rezepten, die viel Platz auf der Seite leer lassen, hätte ich mir gewünscht, das Foto wäre kleiner ausgefallen und da untergebracht. Das hätte ebenfalls Platz für weitere Rezepte gelassen. Dann wäre der stolze Preis eher zu verkraften. Daher von mir vier Sterne.
    Ein Mord für ein Miau

    Uli Aechtner
    Ein Mord für ein Miau (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    06.10.2026

    Kein Katzenkrimi, aber tolle Unterhaltung!

    Wie könnte die zurückgezogen lebende Natascha den Nachbarsmädchen den Wunsch abschlagen, auf ihre Kätzchen Bonnie und Clyde aufzupassen, während sie in der Papawoche sind und die Mama im Meeting ist? Dumm nur, dass die beiden aus dem Fenster in die vermeintliche Freiheit ausbrechen. Natascha sucht fieberhaft und erlebt so einige Abenteuer.

    Schon die ersten Seiten haben mich überzeugt. Die Autorin schafft mit wenigen Pinselstrichen ein geniales Bild der Figuren und dem kleinen Dorf in der Wetterau. Da springt das Kopfkino ganz von alleine an! Außerdem ist es super erfrischend, wie Natascha so tickt. Ja, klar, dass ich da ein paar meiner eigenen Charakterzüge und Erfahrungen wiedererkenne, verstärkt das natürlich. Auf alle Fälle habe ich mich sofort beim Lesen total wohl gefühlt und das ist schon mal ein vortrefflicher Start, der den Weg zur absoluten Begeisterung bestens vorbereitet! Für mich sind auch die typisch hessischen Wörter und Sprüche etwas, woran ich Freude habe.

    Uli Aechtner versteht es, ihre Hauptfigur die Ereignisse mit ganz viel Humor, mal schräg, mal schwarz, mal ironisch erzählen zu lassen. Ihr widerfahren aber auch die schrägsten Dinge auf ihrer Suche! Da sie sich immer mehr zurückgezogen hatte, ist das Abenteuer noch größer, denn sie kennt kaum jemanden im Dorf und noch dazu zieht sie Fettnäpfchen magisch an. Ein zweiter Erzählstrang, in Kursivschrift und aus der Perspektive des allwissenden Erzählers, erzählt eine dunkle, bedrückende Geschichte. Wie beides zusammenpasst, stellt sich im letzten Teil heraus. Nach und nach wird die Story ernster. Natascha verliert ihren Humor nicht ganz, aber man merkt ihr an, dass die Ereignisse sie nicht kalt lassen.

    Der Krimi-Teil ist sehr gering und ich würde auch diesen nicht als Katzenkrimi bezeichnen. Gegen Ende wird es aber heftig brenzlig und spannend. Die Miezen spielen eine eher untergeordnete Rolle, ziehen sich aber als roter Faden durchs Buch und sind quasi der Auslöser für alles. Der Großteil ist eine humorvolle Geschichte einer Frau Ende 30, die sozusagen vom Schicksal zu ihrem Glück gezwungen wird. Eine witzige Geschichte über Gefühle, Nachbarschaft, Gemeinschaft, Krankheit, Dorfgemeinschaft und Dorftratsch, die mich wirklich sehr gut unterhalten hat. Da es aber nicht, wie deklariert, ein Katzenkrimi ist, muss ich fairer Weise einen Stern abziehen und gebe vier Sterne. Leseempfehlung für alle, die gern selbstbewusste Frauen mögen, die das Herz am rechten Fleck haben!
    Seven Sundays - Das Kochbuch für Tage ohne Eile

    Tanja Dusy
    Seven Sundays - Das Kochbuch für Tage ohne Eile (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    05.10.2026

    Brekkie zum Verwöhnen!

    An besonderen Tagen darf auch unter der Woche Sonntag sein und da gibt es dann ein besonderes Frühstück, das man heute dann gern als Brekkie bezeichnet und fast an einen Brunch erinnert. Es ist ein opulentes Frühstück für Gaumen und Seele. Auch hier gibt es einfachere und aufwändigere Versionen und Fans von Smoothies, Granola, Porridge & Co. finden in diesem Buch ebenfalls sonntägliche Varianten. Klar, hier macht alles mehr Arbeit, als ein Käsebrot, aber gut geplant ist es dennoch zu schaffen, ohne in Stress zu geraten.

    In den Kapiteln All in a Bowl; Gemütlich und Fluffig; Fein Gebacken; Ei, Ei, Ei wie fein; Fettes Brot; Heiß und Kalt stellt Tanja Dusy in ihrer bekannten schnörkellosen, aber gut verständlichen Art Rezepte vor, die in jeden Tag ein Stückchen Sonntag bringen. Durch Mix and Match kann man alles an den eigenen Geschmack oder Zeitrahmen anpassen und da viele Komponenten gut vorbereitet werden können, kann man sich so auch ein wenig Arbeit selbst abnehmen. Nährwertangaben gibt es keine, auch keine Kennzeichnungen oder besonders hervorgehobenen veganen oder vegetarischen Rezepte. Im Register findet man aber den Punkt Vegan und da 15 Rezepte. Zu jedem Rezept gibt es ein Foto der fertigen Speise. Mir ist das super wichtig!

    Da ich gegen einige Lebensmittel eine Abneigung habe, fallen ein paar Rezepte, bei denen ich diese Zutaten nicht einfach austauschen kann, für mich raus. Dennoch sind massig tolle Rezepte und Ideen vorhanden, die mir helfen, einen normalen Tag wie einen Sonntag starten zu lassen. Die Zutaten sind gut zu bekommen. Alles ist so gut erklärt, dass auch ambitionierte Kochanfänger gut mit den Rezepten klarkommen.

    Für mich ist dies ein Kochbuch für besondere Tage, die mit einem opulenten Frühstück zu Sonntagen werden sollen. Da ich gerne koche und backe, ist mir der vermeintliche Aufwand nicht zu viel. Gerade wenn das Brekkie nicht zu einer bestimmten Uhrzeit fertig sein muss und ich mir mit der Zubereitung Zeit lassen kann, hab ich große Freude daran. Die Gestaltung, die Rezepte, die ganze Idee sind super. Daher fünf Sterne!
    Niemals geht man so ganz

    Andreas Izquierdo
    Niemals geht man so ganz (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    26.09.2026

    Cozy Crime mit Humor, Tiefgang und Spannung

    Trauerredner Mads Madsen fühlt sich schuldig, weil er Anna Schmidt nicht vor dem Selbstmord retten konnte, zumal ihre 9jährige Tochter Tilly auch keinen Vater hat und daher in ein Heim muss. Für sie will er die letzten Worte ihrer Mutter, das Geheimnis, das sie ihr noch sagen wollte, entschlüsseln. Dafür muss er tief graben und entdeckt mehr als nur ein Geheimnis, wodurch viele Menschen in Gefahr geraten.

    Dass Andreas Izquierdo es meisterlich versteht, in seinen Geschichten schwierige Themen mit einer guten Prise unwiderstehlichem Humor und ganz viel Gefühl zu verarbeiten, ist seinen Lesern schon länger bewusst. Auch diesmal verpackt er so viel Trost und Liebe in seinen herrlich schrägen Krimi, dass man Tränchen kullern hat, während man glückselig lächelt. Dieses Kunststück schaffen nicht viele Autoren! Außerdem hat er sich Themen und Figuren einfallen lassen, die nicht komplett abgelutscht und abgedroschen sind, wie im Krimi-Bereich leider häufig der Fall.

    Die Figuren sind gleichzeitig total schräg und realistisch. Auch das muss Izquierdo erst mal einer nachmachen. Sei es nun Mads selbst, der ein bisschen trottelig-gutmütig, aber auch mutig und heldenhaft ist oder sein Vater Fridtjof, der es geschickt einfädelt, sich von drei Seniorinnen das Haus putzen und sich selbst bekochen zu lassen, aber auch Mills, die etwas ruppige Ermittlerin, die so gern mit Tackern schmeißt, aber das Herz dennoch am rechten Fleck hat.

    Die eingestreuten Nebenhandlungen sind sehr unterhaltsam. Sie lassen den Krimi erst so richtig schön cozy werden und würden echt fehlen, wären sie nicht da. Der Fall selbst fängt mysteriös an, plätschert dann ein klein wenig vor sich hin, um gegen Ende enorm an Fahrt aufzunehmen und mit einem wunderbaren Twist zu enden. Mads hat das Zeug, für viele weitere Bände Stoff zu liefern, daher hoffe ich von ganzem Herzen, dass Verlag und Autor da fleißig dran arbeiten!

    Wer Spaß an tollen Wortspielen und feinsinnigem Humor hat und nicht unbedingt einen knallharten Krimi lesen will, sondern Lektüre braucht, die einfach nur gut tut und dennoch eine starke Aussage hat, ist hier absolut richtig! Für mich eins der besten Bücher meines bisherigen Lese-Jahres. Fünf hell leuchtende Sterne von mir!
    Sweet Cravings

    Luisa Gallardo Leon
    Sweet Cravings (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    26.09.2026

    Kleine Backwaren, großes Ego

    Dass heute fast ausschließlich Backbücher auf den Markt kommen, die von Influencern gebastelt wurden, ist ja eine Sache. Die andre aber, wenn es in Selbstdarstellung ausufert. Hier sind fast mehr Bilder der Autorin zu sehen, als Backwerke! Glaube ich wirklich, dass sie so gestylt und in Sommerkleidchen in der Backstube schuftet. Nö. Sorry, aber hier fängt es dann schon mal an, mich nicht wirklich für sich zu gewinnen, sondern zu nerven, denn statt dieser Bilder und der Personal Story mitsamt Ich-bin-ja-sooo-toll hätte ich doch lieber Rezepte gesehen.

    Die fangen dann auf Seite 26 an und sind unterteilt in die Kapitel Cookies; Brownies; Bars; Sheet Cakes. Schon beim ersten Rezept fällt mir eine Zutat auf, die ich nicht zu Hause habe und auch noch nicht im Handel gesehen habe, nämlich Himbeerpulver. Da hilft mir auch nicht, dass es den Tipp gibt, gefriergetrocknete Himbeeren zu Pulver zu zermahlen, wenn ich keins habe. Ich habe nämlich auch keine gefriergetrockneten Himbeeren! Auch bei der gesalzenen Butter und diversen Gewürzen bin ich raus. Schade also auch hier. Die Zutaten sind teilweise einfach nicht wirklich gut zu bekommen, wo Anfänger dann schon mal vor echten Problemen stehen. Dass Tiefkühlbeeren ungekocht verwendet werden, lasse ich mal unkommentiert. Vielleicht bin ich da durch die aktuellen Rückrufe und Warnungen übersensibel.

    Jedes Kapitel startet mit einem etwas längeren Text, der helfen will, alles besser zu verstehen, theoretisches Wissen zu vermitteln und Probleme verhindern soll. Die Rezepte selbst sind recht übersichtlich gestaltet. Es finden sich nach einem kleinen Geschichtchen der Autorin relevante Angaben zu den Zeiten, die Zutatenliste für die angegebene Menge/Portionen, nummerierte Arbeitsschritte im Fließtext und ggf. ein Tipp. Hier fällt mir schon wieder etwas negativ auf, nämlich dass einige Wörter ohne erkennbaren Grund fett geschrieben sind, die fehlenden Absätze das Lesen erschweren und die Backtemperatur mitten im Text steht, nicht prominent aufgeführt. Zu jedem Rezept gibt es ein Foto des fertigen Backwerks, alle paar Seiten dann noch zusätzlich ein paar von der edel gestylten Influencerin.

    Die Rezepte selbst sind moderne Varianten und Abwandlungen bekannter Backwaren. Beispielsweise werden aus der klassischen Schwarzwälder Kirschtorte kurzerhand Black Forrest Brownies. Das ist nichts Schlechtes. Dass aber alles englisch betitelt sein muss, ist ein bisschen nervig. Wer gerne backt und etwas Übung hat, findet auf alle Fälle tolle Ideen und Anregungen. Für Anfänger halte ich die Rezepte eher nicht geeignet.

    Den Abschluss bilden die Kapitel Insiderwissen aus meiner Backstube (also der Autorin), natürlich nicht ohne jede Menge Fotos von ihr, und ein Rezeptregister. Letzteres ist etwas unglücklich geraten, denn wenn man die Bezeichnungen der Autorin nicht kennt, findet man auch nicht das richtige Rezept.

    Zusammenfassend bleibt mir zu sagen, dass die Rezepte mit kleinen Abstrichen richtig cool sind, das Drumrum aber nervt und bei den Zutaten, gerade dem TK-Obst, ein kleines Problem große Auswirkungen hat. Daher gebe ich hier drei Sterne.
    Die Airfryer-Bibel

    Die Airfryer-Bibel (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    20.09.2026

    Schwergewicht mit Rezepten für jeden Geschmack und jede Gelegenheit!

    Was für ein Wälzer! Hier bekommt man mehr als zwei Kilogramm Buch! Klar, es sind fast 700 Seiten, dass es dann kein dünnes Heftchen werden kann, ist schon klar. Aber ehrlich, mit dieser Größe und dem Gewicht habe ich dann doch nicht gerechnet!

    Neben einer kurzen Einführung und Infos zu Garzeiten für Lebensmittel im Airfryer beinhaltet das Buch Rezepte zu den Themen Snacks & Fingerfood; Burger & Sandwiches; Brote, Pizzas & Focaccias; Tartes & Eierspeisen; Rind, Schwein & Lamm; Hähnchen, Pute & Ente; Fisch & Meeresfrüchte; Wohlfühlgerichte; Pommes & frittiertes Gemüse; Desserts & Gebäck. Es ist also wirklich an alles, was gebacken oder frittiert werden kann, gedacht. Zu meiner großen Freude gibt es auch drei Lesebändchen. Ich markiere zwar dennoch meine Lieblingsgerichte mit Pagemarkern, aber Lesezeichen, hier gleich drei, sind immer gern gesehen.

    Die Schriftgröße ist sehr angenehm zu lesen. Übersichtlicher könnte die Darstellung nicht sein: große Überschrift, Portionsangabe, Zubereitungszeit, Zutatenliste, gut gegliederte und leicht verständliche Arbeitsschritte und Ölmenge, Back-/Frittier-Zeit und Temperatur unter gut gewählten Icons. Dazu gibt es zu jedem Rezept noch ein Foto der fertigen Speise. So gefällt mir das super gut! Kein unnötiger Schnickschnack, alles klar strukturiert und auf einen Blick zu erfassen. Dass am unteren Rand des Rezepts noch das Kapitel steht, aus dem es stammt, ist vielleicht nicht wirklich wichtig, gefällt mir aber dennoch. Auch, dass es keine Nährwertangaben gibt, stört mich nicht.

    Die Zutaten sind recht unspektakulär. Ein paar wenige sind vielleicht etwas ausgefallener, aber dennoch im Supermarkt oder im Asia-Shop leicht zu bekommen. Teilweise werden Fertigteige verwendet. Hier ist es aber auch kein Problem, diese zuvor selbst herzustellen. Ganz fremd ist mir die Instant-Hefe. Und ich wundere mich über die Angabe bei ein paar Rezepten, in denen 8g Frischhefe mit 2 Päckchen Trockenhefe gleichgesetzt werden. Ich denke, hier liegt ein kleiner Fehler vor, denn i.d.R. entspricht ein Drittel Trockenhefe der Frischhefemenge. Im Rezept für die salzige Babka stimmt es dann auch mit 20g Frischhefe oder 1 Päckchen Trockenhefe.

    Einige Rezepte sind so simpel, dass man selbst drauf kommen könnte. Aber auch das feiere ich, denn manchmal sieht man einfach den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Diese Ideen gehören daher für mich absolut in diese Rezept-Sammlung für den Airfryer!

    Natürlich sind die Portionen, die man in einem solchen Gerät hinbekommt, weniger für eine Großfamilie geeignet, sondern eher für zwei gute Esser oder vier Personen mit nicht ganz so großem Hunger. Das ist aber okay und verständlich. Ich liebe den Airfryer schon aufgrund dieser kleinen Einschränkung, denn so kocht man kaum mehr, als wirklich benötigt wird. Und es macht auch richtig Spaß, für sich selbst eine Besonderheit zu zaubern, wenn man alleine isst.

    Zum Abschluss helfen ein Rezeptverzeichnis und ein Register beim Auffinden passender Rezepte. Bei 400 Rezepten ist das auch tatsächlich unerlässlich!

    Trotz der kleinen Kritikpunkte ist dieses wirklich dicke Buch für Anfänger und den Alltag ebenso geeignet, wie für Geübtere und Gerichte für besondere Momente. Eine so große Auswahl hat man selten. Klar, das ist ein bisschen unhandlich, aber bei der Menge Rezepte und dem stabilen, dicken Papier kann man nur happy sein. Daher mag ich einfach keinen Abzug vornehmen und bleibe bei fünf Sternen für dieses wirklich schöne Buch, das das dickste in meiner Sammlung sein dürfte!
    Ein ganz normales Wunder

    Woody Brown
    Ein ganz normales Wunder (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    19.09.2026

    Macht nachdenklich

    Über dieses Buch wird dermaßen kontrovers diskutiert, dass ich es einfach lesen bzw. hören musste. Woody Brown ist nicht-sprechender Autist und hat mithilfe seiner Mutter die Universität absolviert. Das hat noch kein anderer zuvor geschafft. Und nun hat er diesen Roman geschrieben. Da er nicht allein schreiben kann und dafür die Hilfe seiner Mutter benötigt, steht die Frage im Raum, wie viel von ihm selbst ist. Ganz ehrlich? Das ist mir gerade völlig egal!

    Der Roman besteht im Grunde aus kleinen Geschichten rund um eine Tagesstätte für Menschen mit einer Behinderung. Über die unterschiedlichen Pfleger, die unterschiedlichen Einschränkungen, die Ungerechtigkeiten, die kleinen und großen Kämpfe, die Erfolge und die Niederlagen, die Enttäuschungen und die Freuden, die Sicht von außen auf die Gruppe, aber auch die Sicht der einzelnen aus der Gruppe nach außen.

    Der feine unterschwellige Humor macht die Schwere des Themas erträglicher. Und jedes Wort kommt an. Man kann nicht anders, als sich selbst und den eigenen Umgang mit Menschen mit Handicap ebenso zu hinterfragen, wie die Figuren und ihr Handeln im Buch. Es ist natürlich schwer, für jede Einschränkung den passenden Tagespflegeplatz zu finden, zu viele verschiedene gibt es. Aber die Botschaft, den vermeintlich infantilen Menschen mehr zuzutrauen und sie zu fördern, zu fordern und ihnen etwas zuzutrauen, ist schon wichtig. Durch die unterschiedlichen Perspektiven wirkt die Story manchmal etwas unstrukturiert und zusammenhanglos, insgesamt passt das aber. Sollte das Buch komplett von Woody Brown sein, ist das eine wahnsinnige Leistung. Ist ein mehr oder weniger großer Teil von seiner Mutter oder einer anderen Person, bin ich mir dennoch sicher, dass sie Woodys Gedanken widerspiegelt.

    Dieses Buch hat das Zeug, das Leben von Personen mit Einschränkungen, besonders auf dem breiten Spektrum des Autismus, zu verändern und zu verbessern. Da spielt es, meiner Meinung nach, keine Rolle, wer genau es geschrieben hat. So oder so ist Woody der Initiator und das Bild, das man zur Story braucht. Ich finde es gut. Nicht perfekt, etwas schwer einzuordnen, aber gut. Vier Sterne.
    Suppen & Eintöpfe

    Oetker Verlag
    Suppen & Eintöpfe (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    18.09.2026

    Löffel-Gerichte für Leib und Seele!

    Themen-Kochbücher sind einfach immer super praktisch. Und wenn jetzt der Herbst kommt, fängt auch wieder die Lust auf Suppen und Eintöpfe bei mir an. Da kommt mir dieses Kochbuch gerade recht! Bevor es mit den Rezepten in den Kapiteln Klare Suppen & Brühen; Cremesuppen; Eintöpfe losgeht, gibt es noch die Basics zur Suppenküche. Das ist ein kleiner, hilfreicher Theorie-Teil.

    Vor jedem Kapitel steht ebenfalls Basiswissen. Gut bebildert und erklärt findet man hier die wichtigsten Informationen auf einen Blick. Gut gegliedert und mit aussagekräftigem Bild kommen dann die Rezepte. Zubereitungszeit, Garzeit, Zutatenliste, Nährwerte und Arbeitsschritte, knapp gehalten aber gut nachvollziehbar, sind alles, was man braucht neben hin und wieder einem besonderen Tipp.

    Bei den Suppen gibt es zunächst Grundrezepte für Brühen, im Anschluss dann Rezepte zur weiteren Verwendung. Hier ist dann ein wenig Blättern nötig, denn es wird für die verwendete Brühe nicht das Rezept, sondern die Seite angegeben. Aber es gibt auch Suppenrezepte, die ohne die Grundrezept-Brühen gemacht werden. Neben den Suppen aus unserer Heimat gibt es auch internationale Rezepte.

    Mein Lieblingskapitel sind die Eintöpfe! Wenig Geschirr, viel Geschmack, Soulfood für alle! Allen Rezepten ist jedenfalls eins gemein, nämlich dass man sieht, wie viel besser Selbstgekochtes ist und dass man die Konserven gar nicht braucht!

    Die Zutaten sind bodenständig und entsprechend gut zu bekommen. Kleine Ausnahmen gibt es beispielsweise bei der Brennnesselsuppe. Hier werden junge Brennnesselspitzen benötigt und da hätte ich jetzt echt ein Problem, wo ich die herbekomme. Bei der Käse-Lauch-Suppe wird Schmelzkäse verwendet, was ich nicht gutheißen kann. Diese Art Produkt sollte man im Hinblick auf gesunde Ernährung vermeiden. Außerdem schmeckt es mit Frischkäse und etwas Käse wesentlich besser! Ansonsten jedoch findet man die meisten Zutaten im eigenen Vorrat oder bekommt sie problemlos im Supermarkt.

    Trotz meiner kleinen Kritikpunkte gebe ich die vollen fünf Sterne, weil ich mir da sehr gut mit Austausch der Zutaten helfen kann. Das Buch ist nicht nur für geübte Kochbegeisterte geeignet, sondern auch für Neulinge in der Küche. Die Erklärungen sind gut verständlich und zu wirklich jedem Rezept bekommt man ein Bild. Super!
    DAISY - Und all deine Geheimnisse werden mir gehören

    Melanie Raabe
    DAISY - Und all deine Geheimnisse werden mir gehören (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    16.09.2026

    10 Dinge

    Luca Marie Palmer ist Rechtsanwältin. Und führt nachts ein Doppelleben. Sie sorgt dann auf eigene Weise für Gerechtigkeit, um all jene für ihre Taten zu bestrafen, die sonst durch ihr Geld oder ihre Positionen ungestraft davonkommen. Sie hinterlässt dann immer ein Gänseblümchen, ihr Markenzeichen. Doch eines Nachts entkommt sie nur knapp. Und plötzlich hängen überall in der Stadt Plakate, die ihr androhen, sie zu finden. Noch schlimmer, es wird gedroht, dass all ihre Geheimnisse dem Plakateschreiber gehören werden!

    Der Stil von Melanie Raabe ist eingängig und angenehm, doch hatte ich auf weiten Strecken das Gefühl, hier einen Roman zu lesen, der hin und wieder spannende Kapitel aufzeigt, keinen Thriller. Ja, da sind so einige Ereignisse, die den Puls hochtreiben. Trotzdem fehlte mir der Thrill einfach. Die eingestreuten Kapitel, die die Geschehnisse von vor 17 Jahren schildern, brachten mich auch eher aus dem Fluss, als dass sie Spannung erzeugten und zum Verständnis beitrugen.

    Es gibt eine Reihe Figuren, die interessant sind. Mal auf die nette Art, mal weniger sympathisch. Ganz arg ins Herz geschlossen habe ich jedoch tatsächlich Walther. Die 10-Dinge-Listen haben ihren ganz eigenen Charme. Ganz langsam merkt man, dass Luca mit ihren eigenen Geistern zu kämpfen hat und diese ihre Gegenwart mehr beeinflussen, als sie wahrhaben möchte.

    Mich hat die Story oft verwirrt und wenn die Spannung mal wieder abfiel, verlor mich auch die Geschichte und ich musste neu hineinfinden. Ich hatte irgendwie immer den Eindruck, es mit einem Teenager zu tun zu haben, nicht mit einer jungen Frau. Es gab einige Längen und die eine oder andere Wendung war einfach über Gebühr konstruiert. Das war super anstrengend, sodass am Ende daher leider nur drei Sterne bleiben.
    Poppy Cooks: Voller Geschmack aus einem Topf

    Poppy O'Toole
    Poppy Cooks: Voller Geschmack aus einem Topf (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    16.09.2026

    Ein Topf statt Eintopf

    Kochbücher sind, wie das Kochen und Backen, meine Leidenschaft. Ich kann kaum an einem vorbeigehen! In den letzten Jahren sind es fast ausschließlich Werke von Influencern. Das ist nicht immer ein Volltreffer, aber Perlen sind immer zu finden. Auch diesmal kannte ich die Autorin zuvor nicht, da ich nicht auf Sozialen Medien unterwegs bin. Sie kommt in ihrem Vorwort sehr sympathisch rüber und auch die Art, wie sie kocht, mag ich sehr. So schön bodenständig, obwohl sie gelernte Köchin ist.

    Als erstes fällt schon mal super positiv auf, dass die Schrift eine gute, schöne Größe hat und man so alles prima und bequem lesen kann. Je eine Seite gehört dem Rezept, die gegenüberliegende zeigt ein tolles Foto des Gerichts. Nach dem Titel folgen ein paar erklärende Worte, die Zutatenliste, die meist für vier Personen ausgelegt ist und die schön voneinander getrennten und nummerierten Arbeitsschritte, die gut verständlich formuliert und somit nachvollziehbar sind.

    Die Zutaten sind gut zu bekommen. Manche hat man allerdings vielleicht nicht üblicherweise zu Hause, wird sie eher selten verwenden. Ich bin immer etwas traurig, wenn Zwiebel- und Knoblauchgranulat verwendet wird anstelle frischer Produkte. Auch Fertigprodukten stehe ich skeptisch gegenüber. Der Schwierigkeitsgrad liegt selten wirklich hoch, was das Kochbuch dann recht alltagstauglich macht. Super einfach und absolut köstlich sind die Tomaten-Feta-Gnocchi. Man gerät unweigerlich ins Schwärmen!

    Die meisten Rezepte sind nicht vegetarisch und schon gar nicht vegan. Sie sind unterteilt in die Kategorien Geflügel; Rind; Schwein; Lamm; Fisch; Gemüse; Kartoffeln; Süßes. Zeitangaben sind jeweils, wenn überhaupt, nur in den Arbeitsschritten zu finden. So wird man nicht unter Zeitdruck gesetzt, wenn man länger braucht, als der Profi. Auch auf Nährwertangaben wurde verzichtet. Dafür wird immer angegeben, welches Behältnis man am besten verwenden sollte. Dass Poppy O’Toole Engländerin ist, erkennt man an den Rezepten recht schnell. Es gibt viele internationale Einflüsse und typische Kombinationen.

    Ich ernähre mich flexitarisch, hätte mich aber dennoch über mehr fleischlose Rezepte gefreut. Die beiden Kapitel Gemüse und Kartoffeln sind toll, dürften aber viel mehr Raum einnehmen! Dies und meine Kritik an den Zutaten reicht aber noch immer für strahlende vier Sterne!
    Das Krähenzimmer

    Carolin Frey
    Das Krähenzimmer (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    12.09.2026

    Zu viele unlogische Stellen

    Lotta hat schöne Erinnerungen an Geelekow und die Villa Sturmmöwe, das Ferienhaus ihrer ehemaligen Stiefmutter Helen, dort besonders an das Krähenzimmer. Da sie eine Auszeit von ihrem versemmeltem Jura-Studium und narzisstischen Exfreund braucht, zieht es sie an diesen Ort ihrer Kindheit. In all den Jahren ist hier viel passiert. Jetzt gehört das Haus einer Immobiliengesellschaft. Lotta kann sich dennoch einmieten und sogar einen kleinen Job bekommen. Die Einwohner des Ortes reagieren feindselig, nur ein paar junge Leute nehmen sie in ihrem Freundeskreis auf.

    Es geschehen für meinen Geschmack zu viele mehr oder weniger kleiner Dinge. Vom defekten Handy bis zu unerklärlichen Geräuschen ist alles dabei. Kann passieren, doch auch in einem kleinen Ort sollte es möglich sein, ein preiswertes neues Smartphone zu bekommen und die eigene SIM-Karte nutzen zu können. Schon wären ein paar Dinge anders gelaufen. Im Übrigen kann man auch in einem geliehenen Smartphone seine eigene SIM-Karte nutzen. Doch sehen wir mal von diesen Dingen einfach ab.

    Lotta ist eine junge Frau, der dumme Dinge passieren. Man mag sie mögen, hat aber immer so ein klein wenig im Hinterkopf, ob mit ihr alles okay ist oder sie ein Spiel spielt. Die Vorkommnisse sind teilweise erschreckend und werden durch die eingeschobenen Kapitel mit den Regeln noch dramatischer. Die dritte Perspektive einer unbekannten jungen Frau verwirrt auf weiter Strecke mehr, als dass sie zum Verständnis beiträgt. Das geht sogar so weit, dass die Perspektivwechsel insgesamt so kryptisch sind, dass sie bald nerven. Schade! Noch dazu hatte ich sehr damit zu kämpfen, Lotta nicht als pubertierenden Teenager einzuordnen. Ihr Verhalten ist einfach nicht passend für eine junge Frau.

    Man stochert die ganze Zeit im Dunkeln, Lotta handelt nicht sehr logisch und die Wendungen strengen ein ums andere Mal einfach sehr an. Schlagartig traut Lotta gar niemandem mehr, obwohl sie tagelang seltsame Geräusche per Ohrstöpseln ausgeblendet hat und sich überhaupt keine Sorgen gemacht hat. Da frage ich mich, ob sie so naiv ist oder die Autorin mich für dumm verkaufen möchte. Auch die eine oder andere Aktion in Situationen, in die Lotta gerät, ist für mich weder nachvollziehbar noch logisch oder halbwegs realistisch. Spannung ist immer vorhanden, man möchte ja wissen, was um Himmels willen denn da los ist. Die Auflösung dann ist jedoch hanebüchen und restlos unlogisch. Dem wird dann mit einem ganz besonderen Cliffhanger noch die Krone aufgesetzt. Dieser lässt offen, ob es einen weiteren Teil geben könnte. Und ganz ehrlich, auf den kann ich verzichten.

    Dennoch gebe ich drei Sterne, denn Anne Düe und Tim Gössler haben alles getan, um mich weiterhören zu lassen. Es gibt schlechtere Storys als diese. Man kann sie hören oder lesen, verpasst aber auch nicht allzu viel, wenn man es nicht tut. Nett für zwischendurch, wenn man sein Logik-Zentrum abstellt und einfach nur zuhört.
    1999 Meter über dem Meer

    Caroline Wahl
    1999 Meter über dem Meer (MP3)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    12.09.2026

    Tannen oder Fichten

    Samara hat ihr Studium beendet und einen Job in Berlin ergattert. Eigentlich wollte sie den gar nicht, aber noch weniger wollte sie in der Firma ihres Vaters anfangen. Sie weiß im Grunde nur, was sie nicht will, aber nicht, was sie wirklich will. Also fliegt sie erst mal nach Bali, Urlaub machen. Aber auch da gefällt es ihr nicht, also schnell nach Berlin, früher als geplant. Als da einfach alles komplett nervig wird, bricht Samara mit Hilfe einer Krankschreibung aus dem Trott aus und fährt mit ihrem alten Mercedes Cabrio, den sie von ihrem Vater bekommen hat, einfach los. Ein Selbstfindungstrip nimmt seinen Lauf. Sie landet mal hier, mal da und überall erfindet sie sich neu, begonnen mit ihrem Namen. Sie will nach oben. In jeder Hinsicht. Man könnte sagen, sie ist eine Hochstaplerin. Aber stimmt das?

    Die Meinungen anderer zu diesem Buch haben mich fast davon abgehalten, es zu lesen oder zu hören. Und ja, es ist super anstrengend, weil Samara in all ihren Inkarnationen einfach nervig und auf gewisse Weise schrecklich ist. Aber gleichzeitig musste ich ständig grinsen, hab erschreckend viel nachvollziehen können und Samara teilweise schon fast bewundert. Aber ich habe auch gesehen, dass sie sich gern mal selbst im Weg steht und sie sich nicht so sehr verlaufen hätte, wenn sie mal versucht hätte, andere zu verstehen. Sie kann ein echt bockiges, kleines nerviges Kind sein!

    Samiras Stil, ihre Story zu erzählen, und damit eben Caroline Wahls Stil, ist für mich total unterhaltsam. Diese Wiederholungen eines Geschehnisses in wörtlicher Rede oder das nennen des gleich Sprechenden sind total ungewohnt, etwas anstrengend, sorgen aber auch für den Unterhaltungsfaktor. Es ist einfach super schwer zu beschreiben! Man muss es mögen, ganz klar. Und ich möchte das nicht bei jedem zweiten Buch so lesen oder hören, aber zur Story passt es so unglaublich gut!

    Auf ihrem Roadtrip verändert sich Samara langsam, aber stetig. Sie ist eindeutig auf dem Weg zu sich selbst, nicht nur auf einer Reise durch die Welt. Immer wieder gibt es Momente, in denen sie mich unendlich nervt, aber auch immer mehr Momente, in denen ich ganz bei ihr und stolz auf sie bin. Vermutlich habe ich mich in ihr in einigen Teilen wiedergefunden. Die Spitzen gegen so viele sozialen Gefüge, gesellschaftlichen Normen, Berufsgruppen und das Gebaren so einiger Mitmenschen sind einfach urkomisch und total genial. Ich kann nachvollziehen, dass nicht jeder mit dem Buch klarkommt. Mir jedenfalls gefällt es und zwar sehr! Bestimmt können alle Samaras, Sams, Resas mich verstehen. Ein Buch für sie und mich. Fünf Sterne.
    Weiterleben

    Patrick Charnley
    Weiterleben (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    11.09.2026

    Sanft, leise, zärtlich und doch so gewaltig!

    Seit Jago Trevarno einen Herzstillstand überlebte, bei dem er vierzig Minuten lang klinisch tot war, ist sein Leben komplett anders. Er hat mit den Folgeschäden zu kämpfen, die ihn langsam machen, alles überfordert ihn schnell. Sein Onkel Jacob nimmt ihn auf seinem Hof auf, auf dem die Zeit stillgestanden zu haben scheint. Kein Strom, keine Verbindung zur Außenwelt, alles wie im vorletzten Jahrhundert. Hier könnte sich Jago in seinem eigenen Tempo erholen, doch Bill Sligo hat Pläne, die er um jeden Preis durchsetzen möchte und Jago muss ihn stoppen, um Jacob und sich zu retten.

    Das Buch ist sanft, still und leise, es ist aber vielleicht auch gerade deshalb so eindringlich und mächtig. Die Geschichte erdet, sie fokussiert auf den Moment und das, was wirklich zählt. Gerade in unserer über-technologisierten Welt ist das heilsam und wichtig. Jago entschleunigt den Leser mit seiner Art ungemein. Selbst die dramatischen, hochspannenden Momente erfahren eine Art Zeitlupe und können so noch deutlicher betrachtet, analysiert und gelöst werden. Für mich ist das große Kunst! Jacob sorgt zwischendurch sogar dafür, dass Jago sein Tempo nicht steigert, sondern Geduld an den Tag legt, egal was kommt.

    Man muss Jacob und Jago einfach lieben, ebenso ein paar der anderen Figuren. Stückchenweise erfährt man, wie Jago vor seiner Erkrankung war und lebte. Dadurch wird noch klarer, wie sehr seine Einschränkungen auch für ihn schwer zu ertragen sind. Das wird unterstrichen durch das große Ausholen, den großen Anlauf, den Jago bei seiner Erzählung nimmt. Ganz seiner Komfortzone entsprechend, im Hier und Jetzt zu sein, erzählt er seine Geschichte auch in der Gegenwartsform. So erlebt und spürt man die Story quasi in Echtzeit und besonders intensiv.

    Auch wenn das Ende weniger realistisch scheint, finde ich es stimmig und bin damit mehr als zufrieden. Wer weiß, vielleicht passiert ähnliches ja doch viel öfter, als wir je erfahren werden. Wichtig ist mir hier sowieso viel mehr, wie die Menschen in Cornwall zusammenhalten, wenn es nötig ist. Ohne darüber zu sprechen. Wie Jakob sich um seinen Neffen kümmert, obwohl er selbst nicht mehr der Jüngste ist und mit sich selbst und seiner Farm mehr als genug um die Ohren hat. Wie Granny Carne alles sieht, hört und versteht.

    Für mich war dieses Buch eine Umarmung, in der man heilt, sicher ist und mit der man gestärkt weitergeht. Fünf Sterne.
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